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Rezession : Die Woche der Wahrheit für Irlands Banken

  • -Aktualisiert am

Sündenbock Anglo Irish Bank: Der Kapitalbedarf belastet Irland Bild: AFP

Brenzlige Woche für Irland: Der Kapitalbedarf der angeschlagenen Anglo Irish Bank drückt die Volkswirtschaft in die Rezession. Am Mittwoch läuft die zweijährige Garantie aus, welche die Regierung auf dem Höhepunkt der Bankenkrise verkündet hatte.

          Für den irischen Staat ist dies eine brenzlige Woche. Am Mittwoch läuft die zweijährige Garantie aus, welche die Regierung auf dem Höhepunkt der Bankenkrise im September 2008 verkündet hatte. Gleichzeitig warten die Kapitalmärkte auf Aussagen der Regierung, wie hoch die Gesamtrechnung für die Rettung der strauchelnden Anglo Irish Bank für den Staat ausfallen wird. Die Marktteilnehmer an den Finanzmärkten sind nervös, zumal die irische Volkswirtschaft im zweiten Quartal dieses Jahres wieder in die Rezession gerutscht ist. Geht die Rechnung von Premierminister Brian Cowen, die Banken zu sanieren, die Wirtschaft aus der Rezession zu leiten und die Staatsschulden zu senken, etwa nicht auf?

          Die irische Regierung hat derweil ihren Beistand für die schwer angeschlagene Anglo Irish Bank bekräftigt. Irland werde seinen Verpflichtungen gegenüber den Käufern hochrangiger Anleihen des Instituts erfüllen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Dienstag. Es gelte nach wie vor die Aussage von Ressortchef Brian Lenihan, dass Zahlungsausfälle unvorstellbar seien. Die Ratingagentur Moody's hatte am Vortag die mit den Anleihen verbundenen Risiken als hoch bewertet und dies unter anderem mit Unsicherheiten über die weitere Unterstützung der Regierung für die Bank begründet. Versicherungen gegen den Ausfall fünfjähriger irischer Staatsanleihen verteuerten sich am Dienstag laut CMA auf ein Rekordhoch.

          Die Risikoprämien, die am Kapitalmarkt für irische Staatsanleihen verlangt werden, sind so hoch, dass sie eine Umstrukturierung irischer Staatsschulden in den kommenden fünf Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 33 Prozent einkalkulieren, bei welcher der Investor 40 Prozent seines Geldes zurückerhielte. „Diese Bewertungen des irischen Solvenz- und Liquiditätsrisikos sind völlig abwegig“, heißt es indessen bei dem unabhängigen Finanzhaus Davy Securities in Dublin. Im kommenden Jahr muss Irland weniger für seinen Schuldendienst aufbringen als Griechenland, Italien und Belgien.

          Furcht am Kapitalmarkt

          Nicht alle Marktteilnehmer lassen sich daher von der Panik anstecken. Vergangene Woche hat Irland am Kapitalmarkt 1,5 Milliarden Euro Anleihen plaziert. Die Emission war mit einem Faktor von 3,6 überzeichnet. Kein Investorenmangel also, zumal Irland mit 6,02 Prozent eine hohe Rendite auf seine achtjährigen Papiere bot. Der Staat hat nun seinen Finanzierungsbedarf bis Mitte nächsten Jahres gedeckt. Theoretisch könnte Irland bis zur zweiten Jahreshälfte 2011 darauf verzichten, Anleihen zu emittieren. Irland steckt daher weder in einer Liquiditätskrise, noch muss es nach bisherigem Stand vom Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Europäischen Union gerettet werden. Finanzminister Brian Lenihan hat freilich ein gewaltiges Programm vor sich: die Regierung muss ihr Haushaltsdefizit von 11,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes in Höhe von 18,7 Milliarden Euro drosseln.

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