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Rezession : Die Woche der Wahrheit für Irlands Banken

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Lenihan hat bereits Sparmaßnahmen von 15,9 Milliarden Euro verkündet. Im Haushaltsplan für 2011 wird er wohl weitere Kürzungen von 3 Milliarden Euro ansetzen. Weil das Sanierungsprogramm weitgehend auf staatlichen Einsparungen basiert, ist es weniger konjunkturabhängig als befürchtet. Irland wird im kommenden Jahr eine Schuldenquote von 98 Prozent des Bruttoinlandproduktes angehäuft haben. Die Ratingagentur Standard & Poor‘s schockierte die hohe Zahl ausländischer Gläubiger im August jedoch mit einer wesentlich dramatischeren Berechnung der Schuldenquote von 134,9 Prozent und einer Abwertung des Ratings. Allerdings rechnete die Agentur alle Anleiheverpflichtungen der außerbilanziellen Staatsagentur zur Rettung der Banken (NAMA) als Staatsschulden an, berücksichtigte jedoch keinerlei Wert der von der NAMA gehaltenen Kreditportfolios – eine ungewöhnliche Methode.

Die Furcht am Kapitalmarkt ist, dass die künftigen Kosten der Bankenrettung wegen der wackeligen Konjunktur und immer höherer Kreditausfälle weiter ausufern könnten. Mit Ausnahme von Anglo Irish Bank ist von den irischen Banken jedoch kaum weiterer Kapitalbedarf zu befürchten, zumal im Notfall Vorzugsaktien des Staates in Stammaktien gewandelt werden können und bei Allied Irish Bank ein – allerdings schleppendes – Programm läuft, über Verkäufe von Randgeschäften Kapital einzunehmen.

Abschwung läuft langsam aus

Bleibt der Sündenbock Anglo Irish Bank: Der irische Staat hat für das Institut schon 22,88 Milliarden Euro gezahlt und die Bank verstaatlicht. Das Institut soll nun aufgespaltet werden. Für den Teil, der den letzten Teil der faulen Kredite halten soll, muss der irische Staat voraussichtlich nochmals 2,1 Milliarden Euro Ausgleich für Abschreibungsverluste einbringen. Je nachdem, wie hoch das bei der fortbestehenden Bank verbleibende Kreditportfolio abgeschrieben wird, fällt weiterer Kapitalbedarf an. Es könnte also Ende der Woche also ein Gesamtkostenbetrag des Staates für Anglo Irish von 27 bis 30 Milliarden Euro verkündet werden.

Daher fürchten die Gläubiger nachrangiger Schulden von Anglo Irish Bank, dass sie sich über einen teilweisen Forderungsverzicht an den Kosten werden beteiligen müssen. Voraussichtlich jedoch wird den nachrangigen Gläubigern – wie schon oft von den irischen Banken – angeboten, sich an einem Schuldentausch zu beteiligen. Das irische Finanzministerium und die irische Notenbank sind fest entschlossen, es auf keinen Fall zu einer erzwungenen Umschuldung oder einem Zahlungsausfall kommen zu lassen.

Beunruhigt hat die Finanzmärkte, dass Irland im zweiten Quartal nach Berechnung des Bruttosozialproduktes (GDP) wieder in die Rezession schlitterte. Je schlechter das Wirtschaftswachstum, desto höher die Kreditausfälle der Banken und desto höher letztlich die Rechnung für den Staat. Um die Kraft der irischen Volkswirtschaft richtig zu messen, ist jedoch der Blick auf das Bruttoinlandsprodukt (BNP) entscheidend. Dieser Wert lässt die für Irland sehr verzerrenden Transferzahlungen ausländischer Konzerne außen vor. Nach dieser Rechnung folgte einem Minus von 1,2 Prozent im ersten Quartal ein Minus von 0,3 Prozent im zweiten Quartal. Der Abschwung läuft langsam aus.

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