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Rettungspolitik : EZB in der Grauzone

Die Not der Südländer ist so groß, dass EZB-Chef Draghi neue Käufe von deren Staatsanleihen andeutet. Die Bundesbank ist aus guten Gründen sehr skeptisch. Doch Draghi hat gezeigt, dass er zu vielem fähig ist. Auch zum Beiseiteschieben deutscher Bedenken.

          Eigentlich wollte sich die Europäische Zentralbank aus den heiklen Anleihekäufen zurückziehen. Sie hat sich damit in eine geldpolitische Grauzone begeben - gefährlich nahe an die indirekte Finanzierung von Staatsschulden. Die Bundesbank ist aus guten Gründen sehr skeptisch. Nun ist die Not der Südländer so groß, dass EZB-Chef Mario Draghi neue Käufe andeutet. Verständlich, dass die Märkte feiern. Sie suchen verzweifelt nach Abnehmern der riskanten Papiere.

          Draghi mag hoffen, dass die Ankündigung ausreicht, die Risikoaufschläge zu dämpfen. Doch wie oft sind verbale und reale Interventionen in dieser Schuldenkrise schon verpufft. Auch Draghis „Dicke Berta“, die Dreijahresfinanzierung für Banken, hat nur vorübergehend gewirkt. Draghi hat gezeigt, dass er zu vielem fähig ist. Zuzutrauen wäre ihm, dass er bei einer weiteren Eskalation der Krise alle Bedenken deutscher Währungshüter beiseite schiebt, sich einen neuen Kanonennamen ausdenkt und mit größter Feuerkraft eingreift.

          Die Schuldenkrise wäre damit aber nicht gelöst: Das können nur die Staaten, wenn sie ihre Haushalte auf einen Sanierungspfad bringen und ihre Volkswirtschaften wettbewerbsfähiger machen.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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