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Ressourcen : Auf der Suche nach der Energie der Zukunft

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Bild: F.A.Z.

Die Diskussionen über die globale Energiepolitik werden spannend wie nie: Europas Reserven neigen sich dem Ende zu, deutliche Preissteigerungen sind zu erwarten.

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          Erdgas als Instrument russischer Außenpolitik, der scheinbar unstillbare Energiehunger Chinas und der Kampf gegen den Treibhauseffekt: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos werden die Diskussionen über die globale Energiepolitik spannend wie nie. Denn die Energiepolitik steht in den kommenden zehn Jahren vor zentralen Weichenstellungen: Europas Reserven an Erdöl und Erdgas schwinden rapide; auch den Amerikanern geht das Erdgas aus. Neue, politisch stabile Bezugsquellen müssen erschlossen werden, um die Autos in Bewegung und Häuser warm zu halten, bevor alternative Energien für wirtschaftlichen Ersatz sorgen können. Gleichzeitig wird die Diskussion, wie lange die Reserven an Erdöl und Erdgas noch reichen, heute so intensiv geführt wie seit 30 Jahren nicht mehr. Steigt der Weltenergieverbrauch weiter auf dem derzeit hohen Niveau an, werden die heute bekannten Öl- und Gasreserven wohl zur Mitte des Jahrhunderts aufgebraucht werden. Zwar wird der technische Fortschritt diese Reichweite noch verlängern, doch klar ist schon heute: Öl und Gas werden knapper und damit teurer. 100 Dollar für ein Faß Öl werden von vielen Analysten inzwischen als realistisch eingestuft.

          Mitten in diese Diskussion um die Reichweite der Energiereserven hat der Versuch Rußlands, Erdgaslieferungen als außenpolitisches Druckmittel einzusetzen, eine Debatte um die Zuverlässigkeit des wichtigsten europäischen Erdgaslieferanten entfacht. Heute kommen rund 40 Prozent des deutschen Erdgases aus Rußland; in wenigen Jahren soll dieser Anteil sogar auf 70 Prozent wachsen. Ob Iran, das auf sehr großen Reserven sitzt, ein politisch stabiler Partner ist, wird im Westen bezweifelt. Die Chinesen sind in diesem Punkt pragmatischer: China hat mit Iran einen 100-Milliarden-Dollar-Vertrag über Erdgaslieferungen in den kommenden 25 Jahren abgeschlossen. Zudem will das Land in die Erschließung iranischer Erdgasfelder investieren, um Nachschub für seine aufstrebende Volkswirtschaft zu sichern. Auch besitzen die Chinesen gut 10 Prozent der globalen Kohlereserven.

          Da Öl und Gas immer teurer werden und vor allem in politisch instabilen Regionen vorkommen, erlebt die Kohle zur Zeit eine Renaissance in der Stromproduktion. Denn der fossile Brennstoff weist für die Energiewirtschaft einige bestechende Vorteile auf: Kohle macht gut die Hälfte aller bekannten Reserven an fossilen Energieträgern aus, reicht für mindestens 200 Jahre, kommt in vielen politisch stabilen Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Australien reichlich vor und unterliegt nicht den starken Preisschwankungen wie Öl oder Gas. Den Vorteilen steht allerdings der gravierende Nachteil eines sehr hohen Kohlenstoffgehaltes gegenüber. Die Stromproduktion aus Kohle verursacht mit der heutigen Technik sehr hohe Kohlendioxyd-Emissionen, die wesentlich zum Treibhauseffekt beitragen. Aus diesem Grund ist das Meinungsspektrum in der Frage, wie künftig Strom erzeugt wird, noch um eine Facette erweiterbar: Trotz einer weiterhin ungelösten Endlagerung der radioaktiven Abfälle plädieren viele Politiker inzwischen wieder für den Bau neuer Atomkraftwerke. Zur Zeit sind 442 Atomkraftwerke in aller Welt in Betrieb; vor allem asiatische Länder wie China und Indien bauen die Atomkraft kräftig aus. Allerdings ist der Atomstrom kein Allheilmittel für politisch unsichere Erdgaslieferungen, wie es in einigen populistischen Kommentaren schnell unterstellt wurde: Atomstrom kann Erdgas zum Heizen der Häuser oder Erdöl zum Antrieb der Automotoren kurz- und mittelfristig nicht ersetzen. Längere Laufzeiten der Atomkraftwerke können aber immerhin Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne oder Biomasse noch etwas Zeit verschaffen, um ohne Förderung wettbewerbsfähig zu werden. Diese erneuerbaren Energieträger erleben zur Zeit einen Aufschwung: Viele Länder im Süden Europas und in Asien oder amerikanische Bundesstaaten wie Kalifornien fördern die Sonnenenergie inzwischen ähnlich wie das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz.

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