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Steuersenkung von 5 Billionen : Republikaner legen Entwurf für große Steuerreform vor

Kevin Brady und Paul Ryan stellen den Gesetzesentwurf zur Steuerreform vor. Bild: AFP

Die Gewinnsteuer für Unternehmen soll deutlich sinken. Zugleich sollen im Ausland erzielte Gewinne nicht mehr besteuert werden. Lobbygruppen haben schon Widerstand gegen den Entwurf angekündigt.

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          Die Republikaner haben einen umfassenden Steuerreform-Plan vorgelegt, der die steuerliche Last von Unternehmen und Privatpersonen deutlich senkt. Die Gewinnsteuer für Unternehmen soll dem Entwurf zufolge von derzeit 35 auf dann 20 Prozent sinken. Zugleich ist eine Umstellung der Unternehmenssteuer auf das Territorialsystem vorgesehen. Im Ausland erzielte Gewinne werden nicht mehr besteuert, an die Stelle tritt eine Sondersteuer auf die Gewinne besonders erfolgreicher Tochtergesellschaften von 10 Prozent. Damit wollen die Autoren des Gesetzesentwurfs Gewinnverlagerungen in Steueroasen verhindern.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Amerikanische Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne müssen aus dem gleichen Grund ebenfalls mit neuen Belastungen rechnen. Sie sollen dem Plan zufolge bis zu 20 Prozent auf Zahlungstransfers in Ausland zahlen. Die sofortige Absetzbarkeit von Investitionen und die eingeschränkte Absetzbarkeit von Kreditzinsen für Unternehmen sind weitere wichtige Elemente der Steuerreform. Eine Einmalsteuer planen die Republikaner für die von multinationalen Konzernen im Ausland gehorteten Gewinnen, unabhängig davon, ob sie repatriiert werden oder nicht.

          In der Einkommensteuer für Privatleute schrumpfen die Steuerklassen von sieben auf vier. Der Spitzensteuersatz bleibt bei knapp 40 Prozent, greift aber erst von einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Dollar für Ehepaare (500.000 bei Einzelpersonen) an. In den niedrigeren Klassen werden 12 Prozent, 25 Prozent und 35 Prozent veranlagt. Personengesellschaften, die bisher de facto mit dem persönlichen Steuersatz veranlagt wurden, können ebenfalls mit erheblichen Entlastungen rechnen.

          Über eine Dekade hinweg beträgt das Volumen der Steuersenkung rund 5 Billionen Dollar, für das die Republikaner teilweise Kompensation suchen. Um nicht auf die Zustimmung der Demokraten im Senat angewiesen zu sein, darf die Steuerreform über zehn Jahre hinweg höchstens ein Defizit von 1,5 Billionen Dollar produzieren. Deshalb sollen zahlreiche Absetzungsmöglichkeiten gestrichen werden. Mit der Vorlage des Entwurfs hat der Gesetzgebungsprozess erst begonnen. Lobbygruppen haben schon Widerstand angekündigt. Das Gesetz muss beide Kammern des Kongresses passiere und dann dem Präsidenten zur Unterschrift vorgelegt werden.

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