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Trotz der Pandemie : Die Rentenerhöhung geht in Ordnung

  • -Aktualisiert am

Die Rentenentwicklung hängt an den Löhnen - das sollte in guten wie in schlechten Zeiten gelten. Bild: dpa

Die Regierung hält am Prinzip fest, dass die Renten den Löhnen folgen. Dabei sollte es bleiben - auch wenn die Zeiten schlechter werden.

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          In Krisen geht es nicht gerecht zu, selbst wenn sie sich auf der ganzen Welt gleichzeitig ereignen. Einige bekommen die Corona-Folgen schon jetzt wirtschaftlich mit aller Wucht zu spüren, weil sie ihrer Arbeit nicht nachgehen dürfen und dadurch zumindest vorübergehend ihre Existenzgrundlage verlieren. Andere müssen Lohneinbußen hinnehmen und sich um den Fortbestand ihres Arbeitsplatzes sorgen. Wahrscheinlich werden viele von denen, die das Land durch ihre Arbeit am Laufen halten, bald weniger Geld in der Tasche haben als gedacht.

          Ganz anders sieht das für die ungefähr 21 Millionen Rentner in Deutschland aus. Finanziell sind sie in Corona-Zeiten in Sicherheit. Zuverlässig wird die Rentenversicherung ihnen weiter die Rente überweisen – von Juli an sogar mit einem kräftigen Aufschlag.

          Nun hat das Kabinett eine Rentenpassung um 3,45 Prozent im Westen und um 4,2 Prozent im Osten Deutschlands beschlossen. Die Politik ignoriert damit den radikalen Vorschlag des Wirtschaftsforschungsinstituts IW, das eine Halbierung der Rentenanpassung gefordert hatte, um die Rentner am absehbaren Wohlstandsverlust der Gesellschaft zu beteiligen.

          An der Formel festhalten

          Hat die Politik diese Chance verpasst? Nein. So kritikwürdig die rentnerfreundliche Politik der schwarz-roten Koalition oft ist – von der Rente mit 63 über die Mütterrente bis zur Grundrente –, so richtig ist ihr Festhalten an der Rentenerhöhung in diesem Jahr. Die Rentenformel ist nun einmal so gestrickt, dass die Anpassungen sich im Kern an der Lohnentwicklung des Vorjahres orientieren, und diese war eben überaus positiv.

          Ein Fummeln an der Rentenformel verbietet sich sowohl zu Gunsten der Rentner als auch zu ihren Lasten. Verlässlichkeit ist essentiell.

          Da ist es auch einerlei, dass viele Ältere in der aktuellen Krise bereit wären, auf den halben Anstieg zu verzichten. Andere können sich das nicht leisten – ganz abgesehen von der Ausnahmesituation, unter der viele Ältere gesundheitlich wegen Corona stehen.

          Das alles heißt allerdings nicht, dass die Rentner den Wohlstandsverlust, wenn er sich denn als real erweist, in den nächsten Jahren nicht miterleiden müssen. Sinken können ihre Renten zwar wegen einer gesetzlichen Garantie nicht. Doch einem gedämpften Rentenanstieg darf nichts im Weg stehen – auch keine „Haltelinie“ für das Rentenniveau, wie sie die Koalition zu Beginn der Wahlperiode gesetzlich verankert hat.

          Die Haltelinie von 48 Prozent des durchschnittlichen Arbeitseinkommens ist ein willkürlicher Rechenwert, der über Höhe und Kaufkraft der Rente nichts aussagt. Das lässt sich gut daran ablesen, dass das Rentenniveau erst einmal steigt, wenn die Einkommen der Arbeitnehmer – etwa wegen Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit in der Krise – sinken.

          Die Koalition sollte ihre Haltelinien-Gesetzgebung rasch so korrigieren, dass eine Dämpfung des Rentenanstiegs vom nächsten Jahr an möglich ist. Nicht mehr und nicht weniger verlangt das Prinzip der Generationengerechtigkeit, das auch in der Krise zählt.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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