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Demographie in Deutschland : Bundesbank warnt: Rentenbeitrag steigt auf 29 Prozent

Laut Bundesbank würde der Druck auf die Rentenfinanzen „spürbar“ nachlassen, wenn „das Rentenalter nach 2031 weiter sukzessive zunimmt“. Bild: dpa

Was wird aus der Alterssicherung der Deutschen? Die von SPD und Grünen geplante Abkehr vom demographischen Lastenausgleich in der Rente treibt deren Beitragssatz stark, rechnet nun die Bundesbank vor.

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          Die von SPD und Grünen geplante Abkehr vom demographischen Lastenausgleich in der Rente treibt deren Beitragssatz auf Dauer stark nach oben: Im Jahr 2070 müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber damit 29 Prozent des Bruttolohns an die Rentenkasse zahlen. Zudem müssten die Zuschüsse aus dem Bundesetat in einem Maß steigen, das 6 Prozentpunkten Mehrwertsteuererhöhung entspricht. Dies zeigen Berechnungen der Bundesbank in ihrem neuen Monatsbericht. Beließe man es beim heutigen Rentenrecht, steigt der Beitragssatz bis 2070 auf 25 Prozent, zudem müsste die Mehrwertsteuer um 4 Punkte steigen.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Kern der Studie ist die Frage, was die von SPD und Grünen im Ampelbündnis geplante Festschreibung eines „Mindestrentenniveaus von 48 Prozent“ für die Rentenfinanzen bedeutet. Es läuft darauf hinaus, gesetzlich festzulegen, dass die Renten bei den Erhöhungsrunden stets mindestens so stark steigen müssen wie die Löhne. Anders lässt sich kaum garantieren, dass die Kenngröße Rentenniveau auf ihrer aktuellen Höhe von 48 Prozent bleibt.

          Was wird aus dem Nachhaltigkeitsfaktor?

          Bisher gibt es einen Lastenausgleich zwischen den Generationen: Müssen die Beitragszahler für eine stark steigende Zahl Rentner aufkommen, wie dies mit dem Renteneintritt der Babyboomer geschehen wird, dann steigen die Renten etwas langsamer, da der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor den Anstieg dämpft. Er verhindert keine Rentenerhöhungen, sorgt aber dafür, dass sie etwas hinter dem Lohnanstieg zurückbleiben; das soll berücksichtigen, dass die Zahler dann wachsende Teile ihrer Lohnerhöhungen ohnehin für höhere Beiträge und Steuern einsetzen müssen. Technisch gesprochen, sorgt der Nachhaltigkeitsfaktor genau dafür, dass die Kenngröße Rentenniveau sinkt.

          Die Bundesbank hat nun alternativ ein Mischmodell durchgerechnet, das auch schon der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium zur Debatte gestellt hat: Damit würde zwar weiterhin die Höhe der individuellen Rente beim Eintritt in den Ruhestand nach Dauer und Höhe der Beitragszahlung im Erwerbsleben berechnet. Anschließend aber, bei den jährlichen Erhöhungsrunden, gäbe es immer genau den Inflationsausgleich.

          Der Analyse zufolge müsste der Beitragssatz in diesem Fall bis 2070 auf 26,5 Prozent steigen, zudem wären rechnerisch 5 Prozentpunkte Mehrwertsteuererhöhung nötig. Dies wäre also etwas leichter finanzierbar als das Aus des Lastenausgleichs, aber immer noch teurer als das heutige Recht. Denn Letzteres dämpft nicht nur den Rentenanstieg in der Ruhestandsphase, sondern auch den Anstieg des Einstiegsniveaus für künftige Neurentner.

          Eine klare Aussage, den Nachhaltigkeitsfaktor zu streichen, enthält der Koalitionsvertrag nicht. Die Pläne von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) laufen aber darauf hinaus. Rein technisch ließe sich das Sinken der Kenngröße Rentenniveau auch durch weitere Erhöhungen des Renteneintrittsalters bremsen. Dies aber schließt der Koalitionsvertrag explizit aus. Die Bundesbank folgert indes, „dass der Druck auf die Rentenfinanzen spürbar nachlässt, wenn das Rentenalter nach 2031 weiter sukzessive zunimmt“.

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