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Renten : Die perfekte Wahlkampf-Suppe

Jeder zweite Rentner bekommt zurzeit weniger als 700 Euro Rente, lebt also auf Hartz-IV-Niveau. Das sagt die Statistik. Aber der schlichte Blick auf diese Zahl enthüllt nur die halbe Wahrheit.

          Mit dem Krawallthema Armut und Reichtum lässt sich leicht Politik machen. Mit Statistik auch. Rührt man beides zusammen, wird eine perfekte Wahlkampf-Suppe daraus. Die Boulevard-Schlagzeile lautet: Jeder zweite Rentner bekommt zurzeit weniger als 700 Euro Rente, lebt also auf Hartz-IV-Niveau. Statistisch zumindest. Doch der schlichte Blick auf diese Zahl, der die üblichen Verdächtigen im Land wieder „Altersarmut“ beklagen lässt, enthüllt nur die halbe Wahrheit.

          Denn in der Statistik zählen viele mit, deren Alterseinkommen fast ganz aus Beamtenpension oder aus in der Selbständigkeit Erspartem gespeist wird. Außerdem kommt zur gesetzlichen Rente oft betriebliche oder private Vorsorge. Und viele Rentnerinnen, die keiner Erwerbsarbeit nachgingen, sind über ihre Männer gut versorgt. Kein Grund zur Panik also. Dass Altersarmut für Geringverdiener künftig zum Problem werden könnte, ist inzwischen ein Gemeinplatz. Daher übertreffen sich Parteien im Wahlkampf mit Mütter- und Lebensleistungs-, Solidar- und Garantierenten.

          Dem Wähler sollten sie aber nichts vormachen: Wenn man den weniger Wohlhabenden mehr geben will, ist das nicht aus der Portokasse zu bezahlen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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