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Rente : Privatvorsorge in Großbritannien

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das britische Rentenversicherungssystem ist weitgehendauf die private Vorsorge abgestellt. Rund 40 Prozent der Renten stammen aus privaten Quellen. Trotz staatlicher Grundrenten ist Altersarmut eine Bedrohung.

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          Das britische Rentenversicherungssystem ist weitgehendauf die private Vorsorge abgestellt. Rund 40 Prozent der Renten stammen aus privaten Quellen. Die Labour-Regierung hat sich das Ziel gesetzt, dieses Verhältnis auf 60 Prozent Privatfinanzierung und 40 Prozent Staatsrente umzukehren. Dabei kommt sie nicht voran. Weil er einen Teil der Lasten auf den Privatsektor und auf die Verantwortung der einzelnen übertragen hat, hat der britische Staat weniger Sorgen mit der Altersvorsorge als die Kontinentaleuropäer. Zudem verläuft die demographische Entwicklung vergleichsweise günstig.

          Die staatliche Rente ist eine Grundrente und deckt nur das Allernötigste ab. Derzeit stehen einem alleinstehenden Rentner 77 Pfund, rund 108 Euro, in der Woche zu. Das entspricht rund 4000 Pfund im Jahr und liegt unter der Mindesteinkommensgarantie, die bei rund 100 Pfund je Woche liegt und die jeder Rentner erhält, der nicht zusätzlich vorgesorgt hat. Im Oktober dieses Jahres setzt zusätzlich eine neue staatliche Pensionszahlung ("pension credit") für all jene ein, die auch eine kleine Betriebsrente erhalten. Damit soll ein Anreiz für das private Sparen gesetzt werden. Ferner gibt es eine kleinere verdienstbezogene Staatsrente.

          Private Vorsorge zur Vermeidung von Altersarmut

          Alles in allem gibt der britische Staat den Rentnern aber nicht viel. Vor allem Mietern droht Altersarmut. Die Regierung gibt in diesem Jahr 40 Milliarden Pfund für die staatliche Grundrente aus. Das ist zwar doppelt soviel wie 1990, entspricht aber nur 8,8 Prozent der Staatsausgaben in diesem Jahr. Zur Vermeidung von Altersarmut versucht die Regierung, die Briten zur höheren privaten Vorsorge zu ermutigen. Der am häufigsten benutzte Weg ist die Einzahlung in eine Betriebskasse. Rund die Hälfte aller Rentner erhalten derzeit eine Betriebsrente, die durchschnittlich 79 Pfund je Woche beträgt. Mehr als 10 Millionen Menschen zahlen zusammen mit ihren Arbeitgebern ein. Die Betriebe haben die Verwaltung der Rentenkassen an professionelle Fondsunternehmen ausgelagert, die das Geld nach den Vorgaben der von den Unternehmen bestimmten Pensionstreuhänder in Aktien, Bonds und Immobilien anlegen.

          Vorfahrt für private Sicherung

          Daneben zahlen viele Briten steuerbegünstigt in eine betriebsunabhängige Privatversicherung ein. Hierbei hat Großbritannien in der Vergangenheit allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Viele Versicherer schickten ihre Makler von Tür zu Tür, um die Menschen reihenweise vom Wechsel von sicheren Staats- oder Betriebsversicherungen zu zweifelhaften Privatversicherungen zu überzeugen. Dabei kam es zu fragwürdigen Vergleichen der Konditionen, so daß die Versicherer zu Schadenersatzleistungen von vielen Milliarden Pfund verpflichtet wurden.

          "stakeholder pension" für Besserverdienende

          Um für eine höhere Sparrate zu sorgen, hat die Regierung allen Unternehmen vorgeschrieben, ihren Angestellten eine gebührengünstige Privatversicherung anzubieten, die "stakeholder pension". Doch die erzwungenen Angebote stoßen - ungeplant - überwiegend bei den Besserverdienenden auf Interesse. Die Niedrigverdiener schreckt ab, daß die Arbeitgeber nichts obendrauf legen. Die Beschäftigten sind ohnehin enttäuscht, daß inzwischen kaum noch ein Unternehmen Betriebsrenten anbietet, deren späteres Auszahlungsniveau festgelegt ist. Fast alle haben auf Systeme umgestellt, in denen das Anlagerisiko auf die Angestellten übergegangen ist, zumal die Unternehmen die Unterdeckung ihrer Betriebskassen aufgrund neuer Rechnungslegungsvorschriften nun regelmäßig ausweisen müssen. Zugleich haben die Arbeitgeber ihre Beitragsleistungen in die Betriebsrenten verringert. Experten glauben, daß sich das wieder ändert, wenn die Unternehmen bei besserer Konjunktur Beschäftigte anlocken müssen.

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