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Umbau in Renova-Vorstand : Tumulte im Reich des Oligarchen

Scheint das Vertrauen in die Führungsfähigkeiten seines Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher verloren zu haben: Viktor Vekselberg Bild: dpa

Viktor Vekselberg greift in seiner Beteiligungs-Holding hart durch. Peter Löscher wird entmachtet. Aber wie lange bleibt der frühere Chef von Siemens noch an Bord?

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          Als Peter Löscher noch Herr über Siemens war, flog er ständig in der Weltgeschichte umher. Kein Wunder, gibt es doch kaum ein Land, wo der Münchner Industriekonzern nicht vertreten ist. Aber besonders oft reiste der Österreicher nach Russland, wo Konzerne aus dem Westen viele Jahre schöne Geschäfte machten – bis Putin die Ukraine überfiel und die Krim annektierte. In der guten alten Zeit als oberster Handelsreisender von Siemens bekam Löscher den „Orden der Freundschaft der Russischen Föderation“ verliehen. Ein Zeugnis seiner guten Beziehungen zu und in dem Land.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          So war es also gar keine so große Überraschung, als Löscher nach seinem erzwungenen Abschied von Siemens eine neue Aufgabe fand, die eng mit Russland verknüpft ist, oder besser gesagt: mit einem Russen verbunden ist. Der Kärntner heuerte bei Renova an, der Schweizer Beteiligungsgesellschaft des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg. Die beiden kannten einander aus einer früheren Kooperation mit Siemens beim Bau des großen russischen Forschungszentrums Skolkovo bei Moskau.

          Vekselberg nimmt das Zepter selbst in die Hand

          Löscher hatte die Korruptionsaffäre im Siemens-Konzern erfolgreich aufgearbeitet und einen Kulturwandel eingeleitet. Strategisch und operativ hatte er sich in München allerdings nicht mit Ruhm bekleckert. Vekselberg war aber offenbar trotzdem von Löschers Qualitäten überzeugt: Im März 2014 vertraute er ihm den Vorstandsvorsitz seiner Renova Management AG in Zürich an. Doch nun, zwei Jahre später, scheint der Russe das Vertrauen in Löschers Führungsfähigkeiten verloren zu haben: Auf Geheiß von Vekselberg muss Löscher den Vorstandsvorsitz demnächst aufgeben und sich mit der Rolle des Vizepräsidenten des Verwaltungsrats begnügen. Dies wurde in gut informierten Kreisen bestätigt. Das Unternehmen selbst äußert sich dazu nicht.

          Vekselberg wird Löscher also entmachten und als Verwaltungsratschef fortan selbst das Zepter in die Hand nehmen. Warum macht er das? Und warum oder wie lange macht Löscher das mit? Die wichtigsten Beteiligungen unter dem Dach der Renova sind der Industriekonzern Sulzer (Anteil: 63 Prozent), eine Art schweizerische Siemens in klein, der Maschinenbauer OC Oerlikon (43 Prozent) und der Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach (41 Prozent).

          Erkennbare Erfolge im Umgang mit diesen Unternehmen kann Löscher nicht vorweisen. Der Börsenwert dieser Beteiligungen ist seit Löschers Amtsantritt um einen satten Milliardenbetrag gefallen. Er selbst hat immer wieder darauf verwiesen, dass Renovas Einfluss als (Minderheits-)Aktionär und damit auch sein eigner Einfluss auf die Geschäftsentwicklung der jeweiligen Unternehmen gering seien. Tatsächlich kann man Löscher gewiss nicht den Absturz der Rohstoffpreise in die Schuhe schieben, die sowohl Sulzer als auch Schmolz + Bickenbach schwer zu schaffen machen.

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