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Renminbi : China wertet seine Währung weiter auf

Mao ziert die Banknoten: Chinesische Yuan-Scheine Bild: dpa

Der Außenwert der chinesischen Währung ist seit einem Jahr um 5 Prozent zum Dollar gestiegen. Jetzt hat er einen neuen Höchststand erreicht. Amerika, Europa und andere Exportregionen werfen Peking vor, den Renminbi künstlich niedrig zu halten.

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          Im Kampf gegen die Inflation bereitet sich China auf eine weitere Zinserhöhung und die Aufwertung seiner Währung vor. Der von der Zentralbank festgesetzte Referenzkurs des Renminbi (Yuan) stieg am Dienstag auf einem Höchststand von 6,4816 Yuan je Dollar. Damit hat sich der Außenwert der chinesischen Währung seit Juni vergangenen Jahres um 5,1 Prozent erhöht. Damals hatte die Bank nach zwei Jahren der Koppelung an den Dollar eine „Flexibilisierung“ des Kurses angekündigt. Amerika, Europa und andere Exportregionen werfen Peking vor, den Renminbi künstlich niedrig zu halten, um seiner Exportindustrie Vorteile auf den Weltmärkten zu verschaffen. Die Überbewertung wird auf mehr als 15 Prozent geschätzt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Die derzeitige chinesische Aufwertung erklären Bankfachleute allerdings weniger mit dem Druck der Konkurrenten als mit der zunehmenden Inflation, die den Verbrauchern in China zu schaffen macht. Der niedrig bewertete Renminbi verteuert Importe. Auch die Flutung der heimischen Märkte mit Yuan als Folge des Massenankaufs von Dollar aus dem Handelsüberschuss treibt die Teuerung an. Den gleichen Effekt hat das kaum gebremste Kreditwachstum.

          Unterdessen sind in China wieder Stimmen für eine Reform des Währungssystems zu hören. Die Zeit dafür sei reif, schrieb der Vize-Direktor der Währungsaufsicht Safe, Guan Tao, am Dienstag in einem Online-Artikel. Chinas hohe Dollarreserven, die für die Kontrolle des Außenwertes unerlässlich sind, seien gefährlich angesichts des zu erwartenden Wertverlusts des Dollar. Zhou Qiren, Mitglied im Geldpolitischen Rat, der die Notenbank berät, forderte „drastische“ Veränderungen. Wer den Wechselkurs stabil halten wolle, „opfere“ die Preisstabilität im Inland, schrieb Zhou ebenfalls im Internet. Andere erfolgreiche Exportländer mit flexiblen Wechselkursen belegten, dass der Handel unter der Aufwertung nicht leiden müsse.

          In China sind die Verbraucherpreise im Jahresvergleich zuletzt um mehr als 5 Prozent gestiegen. Im Juni könnte die Inflation die Marke von 6 Prozent überschreiten. Die Pekinger Zentralbank versucht seit längerem gegenzusteuern. Sie hat mehrfach die Zinsen erhöht, Offenmarktgeschäfte getätigt und die Mindestreserveanforderungen der Banken verschärft. Dennoch sind die realen Anlagezinsen weiter negativ. Kredite kosten also faktisch nichts. Die Banken erwarten deshalb schon bald eine weitere Zinserhöhung. Zudem könnte die Spanne des Renminbi-Kurses, zu dem Banken ihn handeln dürfen, verbreitert werden, was ebenfalls eine Aufwertung erleichtert. Bisher darf er nur um 0,5 Prozent vom Referenzwert der Notenbank abweichen.

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