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Rekord-Neuinfektionen : Warum Corona in Amerika so wütet

Das Bellevue Krankenhaus in New York. Bild: Picture-Alliance

Die Corona-Pandemie entlarvt das amerikanische Gesundheitswesen. Es ist eines modernen Staats unwürdig.

          3 Min.

          Das Bild der Vereinigten Staaten im sechsten Monat der Pandemie-Krise verstört. Der Anstieg der Infektionszahlen zeigt ein Land, das das Virus nicht ernst nehmen will. Erst hat es die Mobilität seiner Bürger zu spät eingeschränkt, dann die Einschränkungen zu früh gelockert. Die Verharmlosung des Virus ist beiden politischen Lagern gemein. Während Präsident Donald Trump an Massenkundgebungen festhält, freut sich das progressive Lager über Demonstrationen der „Black Lives Matter“-Bewegung und findet dafür Gesundheitsfachleute, die Unbedenklichkeit attestieren. Hauptsache, die Gesinnung stimmt. Das Virus, im Übrigen politisch neutral, darf weiter wüten.

          Den Amerikanern ist unabhängig von ihrer politischen Neigung ein Gefühl der Unanfechtbarkeit zu eigen und die Haltung, dass vom Ausland nicht viel zu übernehmen ist, weil Amerika alles besser kann. Das ist eine unpraktische Selbstwahrnehmung in einer Zeit, in der es eine Menge von anderen Ländern zu lernen gäbe. Bunkern wie Singapur, stillstehen wie Neuseeland, Testen wie Südkorea wäre lebensrettend gewesen. Der Blick in die Ferne wäre umso wichtiger, weil die politische Führung offenbar den eigenen Experten nicht trauen mag, die die herausragende Rolle in der Eindämmung der Ebola-Epidemie gespielt hatten.

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