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Reisebilanz 2019 : Ein bisschen Rekord – trotz Flugscham

Strand von Hurghada: Die deutsche Reisebranche schafft 2019 ein mickriges Wachstum. Bild: dpa

Kritik an Flugreisen, Kreuzfahrten und Touristenschwemmen – für die Reisebranche war 2019 ein schwieriges Jahr, das mit der Thomas-Cook-Pleite endete. Zum Saisonschluss bleibt ein Mini-Zuwachs.

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          Urlaub soll die schönste Zeit des Jahres sein, doch das Geschäft mit Reisen war 2019 alles andere als wohlig. Flugscham wurde zum Schlagwort, als Klimaschützer geißelten, dass Urlauber in den Ferien günstig in alle Welt düsen. Demonstranten geißelten Kreuzfahrtschiffe, die noch immer Schweröl verfeuern. Und Bewohnern von Urlaubsorten wird es zu viel mit den Gästen, die regelmäßig hordenweise einfallen. „Overtourism“ ist ein weiteres für die Branche wenig schmeichelhaftes Schlagwort.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          All das hat die Deutschen nicht zum Reiseverzicht getrieben, doch es hat dazu beigetragen, dass 2019 für die Urlaubsbranche kein leichtes Jahr war. Zum Ende der Hauptsaison brach dann noch der älteste Anbieter Thomas Cook zusammen. Kunden von Neckermann-Reisen und anderen Konzernmarken des bislang zweitgrößten Reiseveranstalter werden trotz gesetzlichem Insolvenzschutz nicht ihre kompletten Zahlungen wegen der entgangenen Urlaubsfreude zurückbekommen. Die Glaubwürdigkeit und der Verbraucherschutz der Reisewelt stehen zur Debatte.

          Mit Mühe ein bisschen Wachstum

          Dennoch hat es die deutsche Urlaubsbranche im Touristikjahr 2019, das am 31. Oktober endete, mit Mühe auf ein kleines Wachstum gebracht – und damit wohl auch zu einem Rekord. In der Sommersaison stiegen die Buchungsumsätze um 1 Prozent. Das geht aus den Zahlen der Analysten von Travel Data + Analytics hervor, die die Auswertung zum Urlaubsmarkt vom Marktforschungskonzern GfK übernommen haben. Weil das Geschäft im vorherigen Winter noch stärker war, ergibt sich für das Gesamtjahr ein Plus von 2 Prozent.

          In die Zahlen fließen Buchungen in Reisebüros und Onlineportalen für Angebote von Reiseveranstaltern, vornehmlich Pauschalreisen, ein, nicht aber Ausgaben für komplett selbst organisierte Urlaube. 2018 hatten Reiseveranstalter in Deutschland vom Marktführer Tui bis zu Kleinanbietern laut Deutschem Reiseverband (DRV) zusammen für 36 Milliarden Euro Urlaube verkauft. Damit standen sie für etwas mehr als die Hälfte der gesamten Urlaubsausgaben von 67,9 Milliarden Euro. In der kommenden Woche wird der DRV auf seiner Jahrestagung offiziell Bilanz für 2019 ziehen.

          „Allgemeine Verunsicherung der Reisenden“

          Das für den Sommer 2019 letztlich doch ein Plus auflief, lag am Last-Minute-Geschäft für Reisen nach dem Ende der Sommerschulferienzeit. Zuvor hatte die Branche über Monate die Zurückhaltung der Kunden zu spüren bekommen. Die Erinnerung an den heißen Sommer 2018 ließ Frühbucher zögern, da es damals daheim mindestens genauso warm war wie in südlicheren Gefilden. Dazu kamen die Klimaschutzdebatten. „Auf der Zielgeraden ist es dem Reisevertrieb in Deutschland noch gelungen, die Bilanzen ins Positive zu drehen“, resümieren die Marktforscher.

          Düsterer fällt der Ausblick aus. Der Auftakt in das neue Touristikjahr ist von der Thomas-Cook-Insolvenz überschattet. Für den Winter liegen die bis Ende Oktober aufgelaufenen Buchungsumsätze zwar nur ein Prozent unter dem Vorjahresstand. Doch die Marktforscher mahnen, dass das tatsächliche Minus größer werde. „Ein nicht unerheblicher Teil der Buchungen dürfte auf Betroffene der Thomas-Cook-Pleite entfallen, die Ersatz für ihre abgesagten Reisen gebucht haben.“ Während die Ersatzbuchungen schon Eingang in die Statistik gefunden haben, sind die ausfallenden Reisen aus insolvenzrechtlichen Gründen sind noch nicht herausgerechnet.

          Auch für den Sommer 2020 zeigt sich noch große Zurückhaltung, die Buchungen lagen Ende Oktober 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Marktforscher erklären das unter anderem mit einer „allgemeinen Verunsicherung der Reisenden“ nach der Cook-Insolvenz.

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