https://www.faz.net/-gqe-7j4fi

„Rein theoretisches Gedankenspiel“ : IWF distanziert sich von Zwangsabgabe für Sparer

  • Aktualisiert am

Der Internationale Währungsfonds in Washington DC Bild: AFP

Ein knapper Text in einem IWF-Bericht sorgt für Wirbel. Sparer könnten per Vermögensabgabe helfen, die Euro-Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, heißt es in dem Gedankenspiel. Jetzt distanziert sich der IWF von einer solchen Zwangsabgabe.

          In der Debatte über eine Zwangsabgabe für Sparer zum Abbau von Staatsschulden sieht sich der Internationale Währungsfonds (IWF) missverstanden. Die Idee einer solchen Abgabe auf Finanzvermögen, die in einem Finanzbericht vom Oktober auftaucht, sei ein rein theoretisches Gedankenspiel, sagte eine IWF-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. „Es gibt keine solche Forderung vom IWF.“ Der kleine Kasten auf Seite 49 des Berichts „Fiscal-Monitor“ sei ausdrücklich keine Empfehlung, so die Sprecherin. Der kurze Text greife lediglich die Diskussion über eine Vermögenssteuer auf und weise auf deren erhebliche Nachteile hin.

          In ihrer IWF-Publikation „Taxing Times“ verwiesen die Autoren auf die extrem gestiegene Verschuldung der Staaten. Durch eine Vermögensabgabe von etwa 10 Prozent könnten die Schuldenstände von Euro-Ländern auf den Stand vor der Finanzkrise 2007 gedrückt werden. Allein dieser Gedanke an eine Zwangsabgabe auf Sparvermögen, Wertpapiere und Immobilien ließ viele Sparer aufschrecken.

          Der österreichische Notenbankchef und EZB-Rat Ewald Nowotny warnte davor, die Menschen mit solchen Ideen zu irritieren. In einer Mitteilung der österreichischen Notenbank reagierte er am Dienstag auf die Gedankenspiele des IWF. „Ich warne eindringlich davor, die Sparer zu verunsichern“, erklärte Nowotny.

          Nowotny, der dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) angehört, erklärte: „Es handelt sich dabei um wirtschaftspolitische Verfahren, die in Kriegs- oder Nachkriegszeiten von Bedeutung waren. Für die derzeitige Lage in den entwickelten Industriestaaten ist eine solche Perspektive aber überhaupt nicht relevant und ist entschieden abzulehnen.“

          Weitere Themen

          Der Bund zahlt, die Länder entscheiden

          Kita-Gesetz : Der Bund zahlt, die Länder entscheiden

          Trotz des Rechtsanspruchs fehlen nahezu 300.000 Kita-Plätze. Von neuen 5,5 Milliarden Euro verspricht sich der Bund Linderung – Kritiker warnen aber vor Missbrauch der Mittel.

          Topmeldungen

          Ausnahmezustand in Straßburg

          Französische Gefährder-Datei : Attentate trotz „Vermerk S“

          Wie der mutmaßliche Angreifer von Straßburg waren auch die Attentäter von „Charlie Hebdo“ oder vom Bataclan in der französischen Sicherheitsdatei „fichier S“ als Gefährder vermerkt. Anschläge konnten sie trotzdem verüben – trotz verdeckter Überwachung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.