https://www.faz.net/-gqe-9yvtf

Absagen wegen Corona : Verbraucherschützer kritisieren „Zwangsgutscheine“

Die Strokes spielten noch vor der Krise am 14. Februar in Berlin. Bild: dpa

Die Verbraucherzentralen halten die geplante Gutscheinlösung für einen „Dammbruch“. Für den Verband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft ist sie dagegen auch im Interesse der Verbraucher.

          1 Min.

          Die Gutscheinlösung für in der Coronavirus-Pandemie ausgefallene Konzerte und Sportereignisse stößt auf Widerstand. Als „Dammbruch“ bezeichnete Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen die Zwangsgutscheine am Montag. Erstmals würde die Bundesregierung Risiken und Kosten der Corona-Krise voll auf die Verbraucher abwälzen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Schwarz-Rot würde damit tief in die Eigentumsrechte der Verbraucher eingreifen und das Prinzip der gerechten Risikoverteilung unserer sozialen Marktwirtschaft auf den Kopf stellen“, kritisierte Müller. Im Fall einer Insolvenz des Veranstalters liege das Risiko vollständig beim Verbraucher, Gutscheine wären dann nichts mehr wert.

          Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte den Entwurf auf den Weg gebracht, wonach Veranstalter vor dem 8. März erworbene Tickets nicht an ihre Kunden erstatten müssen, sondern stattdessen Gutscheine ausstellen können. Wer den Gutschein nicht einlösen will, soll erst ab dem Jahr 2022 eine Rückerstattung verlangen können.

          Im Sinne der Verbraucher?

          Müller sagte, Verbraucher wären so gezwungen, für Liquiditätsengpässe der Unternehmen einzuspringen. Der „Vollkasko-Ansatz“ für die Unternehmen sei inakzeptabel. Von den Zwangsgutscheinen würden auch Anbieter profitieren, die keine Liquiditätsprobleme hätten.

          Dagegen sprach sich Jens Michow, geschäftsführender Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, für die Gutscheine aus. „Wer dies nun als zinslosen Kredit betrachtet und auf das Risiko hinweist, dass der Gutschein infolge zukünftiger Insolvenzen von Veranstaltern wertlos werden könnte, sollte prüfen, welche bessere Alternative es für die Verbraucher gibt“, sagte Michow. Er hält es, auch im Interesse der Verbraucher, für sinnvoller, dem Veranstalter die Chance zu geben, sich von dieser nicht selbst verschuldeten Krise zu erholen, statt ihn in die sofortige Insolvenz zu drängen.

          Weitere Themen

          Trockenheit bedroht die Ernten Video-Seite öffnen

          Landwirtschaft in Belgien : Trockenheit bedroht die Ernten

          Die Trockenheit macht derzeit den Landwirten in Belgien zu schaffen. Noch nie in den letzten 120 Jahren hat es dort im Mai so wenig geregnet, wie in diesem Jahr. Viele Bauern fürchten um ihre Ernten, Joel van Coppenolle ist einer von ihnen.

          Topmeldungen

          Konfrontation: ein Demonstrant steht in Washington der Polizei gegenüber

          Polizeigewalt in Amerika : Weil sie es können

          Angesichts des Todes von George Floyd fragen sich viele abermals, warum amerikanische Polizisten oft so brutal vorgehen. Vorschläge zur Reform gibt es genug – aber noch zahlreicher sind die Anreize zu Gewalt und Schikane im Justizsystem.
          Flugzeuge am Frankfurter Flughafen

          Luftverkehr : Drehkreuze im Wettbewerb

          Das Rettungspaket für die Lufthansa sorgt bei Aktionären für Erleichterung. In Italien schaut man besonders auf die deutsche Fluggesellschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.