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Reformen : CSU schlägt die 48-Stunden-Woche vor

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Die Post mit ihren 48 Stunden Wochenarbeitszeit soll Schule machen. Dafür hat sich die CSU jetzt in der aktuellen Arbeitszeitdebatte eingesetzt.

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          Die Post soll Schule machen. Dafür hat sich die CSU jetzt in der aktuellen Arbeitszeitdebatte eingesetzt. "Bei der Post können die Mitarbeiter schon bis zu 48 Stunden arbeiten", sagte der CSU-Wirtschaftsfachmann Johannes Singhammer. Er bezeichnete dies als Modell der Zukunft. Die CSU geht damit noch über die Forderungen ihrer Schwesterpartei CDU hinaus. CDU-Chefin Angela Merkel hatte zuvor gesagt, sie halte eine Arbeitszeitverlängerung um eine oder zwei Stunden in der Woche für denkbar, um Investitionen zu ermöglichen und die Verlagerung von Arbeit ins Ausland zu verhindern. In den vergangenen Tagen hatten sich mehrere Spitzenvertreter von CDU, FDP und den Wirtschaftsverbänden sowie Teile der SPD für längere Arbeitszeiten ausgesprochen, um so die Konjunktur und das Beschäftigungswachstum anzutreiben.

          IG-Metall-Chef Jürgen Peters indes erneuerte am Freitag seinen Protest gegen eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit. "Wer Arbeitszeitverlängerungen vorschlägt, hat herzlich wenig Ahnung", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Dadurch entstünden keine neuen Arbeitsplätze. Vielmehr würde die Zahl der Arbeitslosen steigen. Statt dessen solle man darüber nachdenken, wie die vorhandene Arbeit besser verteilt werden könne.

          Arbeitszeit sinkt

          Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist die tarifliche oder betriebsübliche Arbeitszeit seit 1985 von 38,04 auf 37,77 Stunden gesunken. Die Zahl der Urlaubstage blieb in diesem Zeitraum weitgehend konstant bei rund 31 Tagen.

          Die Post hatte im Juli mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einen Beschäftigungspakt geschlossen, um betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Dieser sah unter anderem einen flexibleren Einsatz der Arbeitskräfte vor. Briefträger können danach ihre Wochenarbeitszeit freiwillig auf 48 Stunden erhöhen und dabei auch entsprechend mehr verdienen. Die Regelarbeitszeit liegt bei 38,7 Wochenstunden. Derzeit arbeiteten die Postboten aber deutlich weniger als die maximal möglichen 48 Stunden. Der Vorteil des Modells liege in einer höheren Flexibilität, sagte ein Sprecher

          Überstunden verlieren an Bedeutung

          Angesichts der Konjunkturschwäche verlieren in den meisten Unternehmen auch Überstunden an Bedeutung. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, leisteten die Arbeiter im Westen im Juli dieses Jahres durchschnittlich eine Überstunde je Woche. Dies ist ein Rückgang um 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Osten blieb das Überstundenniveau konstant bei 0,7 Stunden je Woche. Bei der Lufthansa beispielsweise sind die Überstunden auf Null zurückgefahren worden. Für das kommende Jahr erwarten die Wissenschaftler des IAB mit der anziehenden Konjunktur auch wieder eine leichte Zunahme der Überstunden.

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