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Krankenhausversorgung : Weniger Kliniken braucht das Land

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht auf dem Gang der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Essen und zieht Schutzkleidung an. Bild: dpa

Die deutsche Krankenhauslandschaft muss reformiert werden. Viele Menschen haben dafür aber eine klare Bedingung.

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          Eine halbe Stunde – länger darf die Fahrt zum Krankenhaus für die Menschen in Deutschland auch in Zukunft nicht dauern. Das zeigt eine neue Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft erstellt hat. Eine halbe Stunde, das ist ein Wert, der oft auch von Bürgermeistern, Landräten und Ministerpräsidenten genannt wird, die für den Erhalt der Krankenhäuser in ihrer Region kämpfen, im Zweifel jedes einzelnen. Für jeden fünften Bürger dürfen es der Umfrage zufolge sogar nicht mehr als zehn Minuten sein, für ein gutes Drittel nicht mehr als 20 Minuten.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.

          Das Problem ist: Deutschland hat nach weitverbreiteter Ansicht zu viele Kliniken – insbesondere zu viele kleine – und zu viele Krankenhausbetten. Das ist teuer, und es bindet Pflegekräfte und Ärzte, die anderswo dringend gebraucht würden. In kleineren Krankenhäusern werden zudem nur wenige Patienten behandelt, worunter die Versorgungsqualität leidet, wie empirische Studien zeigen. Deshalb herrscht unter Fachleuten weitgehend Einigkeit, dass die deutsche Krankenhauslandschaft dringend reformiert werden muss. Auch die Ampelkoalition hat sich das vorgenommen. Doch wie könnte das aussehen, wie viele Kliniken sollten geschlossen werden, und wie werden die Menschen dann versorgt? Da gehen die Vorstellungen auseinander.

          „Kalter Strukturwandel“

          Wie die am Mittwoch veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigt, sind viele Bürger mit der Krankenhausversorgung in Deutschland zufrieden (44 Prozent) oder zumindest zum Teil zufrieden (24 Prozent). Immerhin ein knappes Drittel sieht jedoch Verbesserungsbedarf. Und: Es gibt große Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen West und Ost. In Regionen mit einer hohen Bevölkerungsdichte – und in der Regel entsprechend vielen Krankenhäusern – zeigte sich rund jeder zweite der 5000 Befragten zufrieden. In Gegenden mit einer niedrigen Bevölkerungsdichte waren es 41 Prozent. Und in Thüringen sogar nur knapp 29 Prozent.

          Der DKG-Vorsitzende Gerald Gaß mahnte die Politik, die Ergebnisse ernst zu nehmen und verantwortungsvoll mit der Frage umzugehen, wie die Versorgung künftig aussehen solle. Er ließ keinen Zweifel, dass das aus seiner Sicht derzeit nicht der Fall ist. Gaß sprach von einem „kalten Strukturwandel“, schleichend würden Krankenhäuser verschwinden. „Die Deutsche Krankenhausgesellschaft klammert sich nicht an jeden Krankenhaus-Standort, auch nicht an jedes Krankenhausbett“, sagte er. Nötig sei jedoch eine politisch gestaltete Reform, die eine stärker konzentrierte, zugleich aber wohnortnahe Versorgung sicherstelle. Manche Fachleute plädieren etwa für mehr ambulante Angebote.

          Für besonderen Unmut sorgt bei Gaß, dass die DKG in der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eingesetzten Regierungskommission nicht vertreten ist. Diese soll Reformen für „eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ vorschlagen und Leitplanken für die Krankenhausplanung festlegen, für die bislang die Bundesländer zuständig sind. Dass die Kommission vor allem aus Wissenschaftlern bestehe und diejenigen, die die Reformen umsetzen sollen – so wie Kliniken und Krankenkassen – nicht einbezogen würden, bezeichnete Gaß als „unklug“. Das habe er gegenüber dem Minister auch sehr deutlich gemacht.

          Krankenhausplanung auf Bundesebene?

          Lauterbachs Regierungskommission ist nicht das einzige Gremium, das über Krankenhausreformen nachdenkt. Anfang der Woche hat der Kronberger Kreis der Stiftung Marktwirtschaft, dem unter anderen der ehemalige Wirtschaftsweise Lars Feld und Ifo-Präsident Clemens Fuest angehören, Vorschläge vorgelegt. Laut den Wissenschaftlern führen institutionelle Fehlanreize in der Planung und Finanzierung von Krankenhäusern zu Defiziten in der Versorgung. Sie plädieren daher dafür, die Krankenhausplanung auf die Bundesebene zu übertragen.

          Dann würde der Einfluss von Politikern vor Ort begrenzt, der viele kleine Krankenhäuser in der Fläche zur Folge habe. Eine nationale Regierungsbehörde könne Kriterien für eine hochwertige Mindestversorgung festlegen – darunter Maximalentfernungen zu Krankenhäusern – und die weitere Ausgestaltung dem Wettbewerb überlassen, sofern keine Versorgungslücken auftreten.

          Der Kronberger Kreis wirbt zudem dafür, die duale Finanzierung durch Krankenkassen und Bundesländer aufzugeben. Da die Länder ihrer Verantwortung für die Finanzierung der Krankenhausinvestitionen nur unzureichend nachkämen, versuchten die Kliniken, viele Betten vorzuhalten und vor allem solche Behandlungen vorzunehmen, für die sie hohe Deckungsbeiträge erzielten.

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