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Refinanzierung von Pemex : Mexikos Erdölriese in Nöten

Ölarbeiter in Mexiko Bild: AP

Die mexikanische Pemex ist der am tiefsten verschuldete Erdölkonzern der Welt. Dennoch hat Präsident López Obrador große Pläne für den Staatsbetrieb.

          Pemex erhält etwas Luft. Am Montag konnte die Konzernleitung die Verlängerung zweier Kreditlinien in der Höhe von 5,5 Milliarden Dollar, eine Refinanzierung von 2,5 Milliarden Dollar sowie eine Zinsreduktion bekanntgeben. Pemex unterzeichnete einen entweichenden Vertrag mit den drei Großbanken HSBC, JP Morgan und Mizuho. Es handelt sich laut Pemex-Generaldirektor Octavio Romero um die größte Finanzoperation eines Energiekonzerns in Lateinamerika. Und sie war dringend notwendig. Pemex ist mit Verbindlichkeiten von über hundert Milliarden Dollar der am tiefsten verschuldete Erdölkonzern der Welt.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Gleichzeitig ist die Erdölproduktion wegen fehlender Investitionen in die Förderung in den vergangenen 15 Jahren um die Hälfte eingebrochen. Derzeit produziert Pemex noch rund 1,7 Millionen Fass pro Tag. Das Rating von Pemex liegt nur eine Stufe über dem „Ramsch-Niveau“. 

          Die Regierung von Präsident Andrés Manuel López Obrador will den Staatskonzern mit weiteren Maßnahmen finanziell stützen. So soll laut Finanzminister Carlos Urzúa die Steuerlast des wichtigsten mexikanischen „Steuerzahlers“ von derzeit jährlich über 20 Milliarden Dollar schrittweise gesenkt werden.

          Doch die Probleme von Pemex sind mit einer Umschuldung und Steuererleichterungen nicht gelöst. Um sich zu erholen, braucht Pemex Investitionen in seine Produktions- und Raffineriekapazitäten. Die einfachste Lösung, um an Kapital zu kommen, wäre durch Investitionen des Privatsektors. Doch während die Vorgängerregierung eine Öffnung des Energiesektors angestrebt hatte, hält López Obrador an seiner nationalistischen und staatsgläubigen Linie fest.

          Das zeigt sich nun auch an einem Raffinerie-Projekt, das die neue Regierung umsetzen will, um die Abhängigkeit Mexikos von Treibstoffimporten zu senken. Es handelt sich um ein gewaltiges Vorhaben: Im südmexikanischen Bundesstaat Tabasco (wo auch López Obrador herstammt), soll eine Raffinerie mit einer Kapazität von über 300.000 Fass pro Tag errichtet werden. Es handelt sich um eines der Denkmäler, die sich der neue Präsident setzen will.

          Im März hatte die Regierung vier spezialisierte Unternehmen eingeladen, Projekteingaben für die Raffinerie einzureichen. Doch keine genügte offenbar den Anforderungen der Regierung – sie waren entweder zu teuer oder sahen eine zu lange Bauzeit vor. Die Regierung werde nichts beginnen, das nicht in seiner sechsjährigen Amtszeit fertig werde, sagte López Obrador und beschloss, dass Pemex das Projekt allein stemmen wird. 2022 soll die Raffinerie stehen. In diesem Jahr hat die Regierung bereits 2,5 Milliarden Dollar dafür budgetiert.

          Negativbeispiel Petrobras

          Experten im Energiesektor sind skeptisch und halten es für unrealistisch, das Projekt in einer solch kurzen Zeit zu gleichzeitig geringen Kosten umzusetzen. Das war auch das Argument der vier Unternehmen, die Projekteingaben eingereicht hatten. Die Frage steht im Raum, wie Pemex etwas schaffen soll, das sich selbst die besten Firmen auf dem Gebiet nicht zutrauen. Erinnerungen an den halbstaatlichen brasilianischen Energiekonzern Petrobras werden wach, der vor einigen Jahren eine ähnliche Raffinerie errichtete, deren Baukosten am Ende die budgetierten Kosten um ein Vielfaches überstiegen – was nicht nur auf Korruption und mutwillige Überteuerung zurückzuführen war.

          Nun steht die Raffinerie der ebenfalls tief verschuldeten Petrobras zum Verkauf. López Obradors Großprojekt in Tabasco birgt ebenfalls ein großes Risiko von Kostenüberschreitungen, glauben Experten, was die Kreditbeurteilung von Pemex noch näher an den Abgrund treiben könnte. Eine Abstufung von Pemex auf das „Ramsch-Niveau“ würde nicht spurlos an Mexiko vorübergehen. 

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