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Branchen (41): Entsorgung/Recycling : Aus Entsorgern werden Versorger

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Bild: F.A.Z.

Die Abfallwirtschaft erreicht in Deutschland ein Marktvolumen von 39 Milliarden Euro. Die Branche ist mit rund 3000 Unternehmen noch mittelständisch geprägt. Doch die wenigen großen Anbieter dominieren zunehmend.

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          Private-Equity-Gesellschaften sind als kühle Rechner bekannt. Sie investieren dort, wo die höchsten Renditen winken. Ihr Interesse an der deutschen Entsorgungsbranche zeigt, daß sich mit Müll gutes Geld verdienen läßt. Mit KKR, Apax und Blackstone sind schon drei der großen Fonds in das Geschäft mit dem Abfall eingestiegen. Der Markt ist in Bewegung. Fusionen und Übernahmen bestimmen das Bild.

          Der deutsche Marktführer Remondis hat sich durch den Kauf von RWE Umwelt auf Platz fünf der internationalen Rangliste geschoben, das Herforder Unternehmen Sulo folgt nach der Übernahme von Cleanaway Deutschland auf Platz acht der weltgrößten Entsorger. Auch in der zweiten Reihe tut sich etwas. Das Berliner Familienunternehmen Alba greift nach der Kölner Interseroh AG, die ihrerseits am größten deutschen Recycling-Unternehmen TSR interessiert ist. Für Gesprächsstoff in der Branche sorgt das Duale System Deutschland (DSD). Angeblich wird das Grüne-Punkt-Unternehmen gleich von mehreren Interessenten, darunter ebenfalls Beteiligungsfonds, umworben. Verkaufsabsichten werden vom Eigner KKR jedoch so regelmäßig dementiert, wie die Gerüchte aufflackern.

          Für internationale Investoren attraktiv

          „Deutsche Entsorgungsunternehmen sind für internationale Investoren attraktiv, weil sie innovativ und ökonomisch erfolgreich sind“, sagt Stephan Harmening, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). Es winkt ein Markt für die Abfallwirtschaft von 39 Milliarden Euro. Das Geschäft teilen sich mehr als 3000 private Unternehmen und die kommunale Wirtschaft.

          Weitgehend privatisiert ist in Deutschland nur die Entsorgung von Abfällen aus Industrie und Gewerbe. Die Verantwortung für Restmüll, Sperrmüll und Bioabfälle aus Privathaushalten tragen weiterhin die Kommunen. Auch sie greifen allerdings in großem Umfang auf private Anbieter zurück. Nur etwa ein Drittel des Hausmülls wird noch von rein kommunalen Betrieben weggeschafft. Ein Sonderfall ist die Entsorgung von Verkaufsverpackungen, Altglas und Papier. Sie wird zum größten Teil vom DSD und ihren Konkurrenten organisiert, welche die Aufträge wiederum an kommunale und private Unternehmen ausschreiben.

          Weil im Müllgeschäft Geld zu verdienen ist, wird die Konkurrenz der Städte und Gemeinden wieder schärfer. „Auf allen Ebenen beobachten wir Versuche der kommunalen Seite, das Rad der Privatisierung zurückzudrehen“, kritisiert BDE-Chef Harmening. „Es ist nicht nachvollziehbar, daß Krankenhäuser landauf, landab privatisiert werden, die Müllabfuhr hingegen unbedingt staatlich bleiben soll.“ Vorübergehend gebremst wurde diese Entwicklung vom Müllstreik in Hamburg und in Baden-Württemberg. Die hinterlassenen Abfallberge haben Kommunalpolitiker veranlaßt, neu über Vor- und Nachteile der Privatisierung nachzudenken.

          Privat ist´s nicht immer billiger

          Ob die Gebühren mit kommunaler oder privater Müllabfuhr günstiger werden, läßt sich nicht verallgemeinern. In vielen Fällen ist die Belastung nach der Vergabe an Private tatsächlich gesunken. Es gibt aber auch eine Reihe von Gegenbeispielen. Die Branchenriesen beschränken ihr Geschäft längst nicht mehr auf Deutschland. Vor allem der Markt in Mittel- und Osteuropa bietet neue Chancen. Gleichzeitig dringen ausländische Unternehmen auf den deutschen Markt. Zu den Großen hierzulande gehört Sita, eine Tochtergesellschaft des französischen Versorgungskonzerns Suez.

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