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Wecken in der Haft : Zweifel an Middelhoffs Vorwürfen

  • -Aktualisiert am

Thomas Middelhoff Bild: dpa

Alle 15 Minuten geweckt, rund um die Uhr – erging es dem ehemaligen Spitzenmanager Thomas Middelhoff wirklich so? Die Justiz widerspricht. Und sie bekommt Unterstützung.

          Die Schilderungen der Anwälte des Ex-Managers Thomas Middelhoff, er sei durch Schlafentzug in der Untersuchungshaft schwer erkrankt, werden zunehmend in Zweifel gezogen. Nachts habe kein Bediensteter dessen Zelle betreten, erklärte das nordrhein-westfälische Justizministerium. Das sogenannte Meldebuch belege, dass die Kontrollen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr lediglich aus einem Blick durch den Spion der Zellentür bestanden hätten.

          Auch die Vorsitzende der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Gefängnis, Katharina Bennefeld-Kersten, kann sich nicht vorstellen, dass Middelhoff in den ersten vier Wochen rund um die Uhr alle 15 Minuten geweckt wurde. Eine solche Überwachung brauche zu viel Personal, sagte die langjährige Leiterin der Justizvollzugsanstalt Celle-Salinenmoor im Deutschlandradio. Ein Bediensteter dürfe eine Zellentür in der Nacht gar nicht alleine öffnen. Dies bestätigte auch die Gewerkschaft der Strafvollzugsbediensteten.

          Middelhoffs Anwälte geben der Gefängnisleitung die Schuld daran, dass bei ihm eine seltene Immunkrankheit (Chilblain Lupus) ausgebrochen ist. Sie halten ihren Mandanten für haftunfähig und haben abermals seine Freilassung beantragt. Obwohl sie dessen angebliche Behandlung mit dem Schlafentzug im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo verglichen haben, hat das Oberlandesgericht dies aber bisher abgelehnt.

          Derzeit wird der Ex-Manager in der Essener Uniklinik behandelt. Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast (Grüne), kritisierte die Behandlung als „eindeutige Verletzung der Menschenrechte“; die Antifolter-Organisation Amnesty International äußerte Bedenken wegen Entzugs des Tiefschlafs. Der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hubertus Knabe fühlt sich an den DDR-Staatssicherheitsdienst erinnert. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Justizministeriums wies diese Anschuldigungen dagegen als „Unverschämtheit“ zurück.

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