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Wirtschaftswissenschaftler van Suntum : „Die Erbschaftsteuer vernichtet gezielt Kapital“

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Nochmal Steuern aus bereits versteuertem Einkommen zahlen? Ist das gerecht? Bild: dpa

„Eine Erbschaft ist ein Geschenk aus voll versteuertem Einkommen“, sagt Wirtschaftswissenschaftler van Suntum. Deshalb gehört die Erbschaftsteuer abgeschafft - aber nicht ersatzlos, so sein Vorschlag. Statt dessen fordert er höhere Einkommensteuern für Erben wie Nichterben. Ein Interview.

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          „Eine Erbschaft ist ein Geschenk aus voll versteuertem Einkommen“, sagt Wirtschafts-wissenschaftler van Suntum. Deshalb gehört die Erbschaftsteuer abgeschafft - aber nicht ersatzlos, so sein Vorschlag. Statt dessen fordert er höhere Einkommensteuern für Erben wie Nichterben. Ein Interview.

          Herr van Suntum, Sie fordern das hierzulande Undenkbare: die Abschaffung der Erbschaftsteuer und deren Umlegung auf die Einkommensteuer. Warum?

          Schweden und Österreich erheben auch keine Erbschaftsteuer. So unvorstellbar ist das also nicht. Die Erbschaftsteuer stammt schließlich aus einer Zeit, in der es noch keine richtige Einkommensteuer gab. Heute haben wir aber ein ausgebautes Einkommensteuerrecht mit entsprechend hohen Sätzen. Deshalb erübrigt sich die zusätzliche Besteuerung der Erbschaften, zumal die Erbschaftsteuer in Wirklichkeit die Leistungsfähigkeit der Erben gar nicht berücksichtigt.

          Ulrich van Suntum propagiert einen unkonventionellen Vorschlag
          Ulrich van Suntum propagiert einen unkonventionellen Vorschlag : Bild: Universität Münster

          Wenn mir eine Erbschaft von einer Million Euro zufällt, erhöht das nicht meine Leistungsfähigkeit?

          Die Leistungsfähigkeit bemisst sich an Ihrem Gesamteinkommen. Daran setzt die Erbschaftsteuer aber gerade nicht an. Wenn mein Nachbar beispielsweise 20.000 Euro erbt, zahlt er wegen der Freibeträge praktisch überhaupt keine Erbschaftsteuer. Wenn ich mir dagegen durch harte Arbeit 20.000 Euro dazuverdiene, muss ich davon bis zu 45 Prozent Einkommensteuer bezahlen. Was hat das mit Leistungsgerechtigkeit zu tun?

          Deswegen gibt es viele, die lieber mühelos erworbene Erbschaften als erarbeitetes Einkommen besteuern wollen. Sprechen nicht gerade die Anreizeffekte für die Erbschaftsteuer?

          Die Erbschaftsteuer vernichtet gezielt Kapital, das ist volkswirtschaftlich schädlich. Aber noch einmal zur Leistungsfähigkeit: Wenn ich dieses Leitbild ernst nehme, müsste ich die Erbschaft ins Einkommensteuergesetz aufnehmen. Dann würde ich sie mit den Steuersätzen wie bei jedem anderen selbstverdienten Einkommen belegen. Das wäre konsequent.

          Würden dann nicht Erbschaften zu extremen Belastungssprüngen führen?

          Das ist kein Problem. Man könnte die Erbschaft rechnerisch über ein paar Perioden strecken. Entscheidend ist die wirklich konsequente Anwendung des Leistungsfähigkeitsprinzips, wenn man schon damit argumentiert. Es ist dann zum Beispiel nicht mehr zu rechtfertigen, Erbschaften im Wert eines Einfamilienhauses steuerfrei zu lassen.

          Dagegen spricht, dass eine Erbschaft kein Einkommen ist, sondern nur eine Übertragung von Vermögen, das schon voll versteuert worden ist.

          Eben, und darum passt hier das Leistungsfähigkeitsprinzip in Wirklichkeit auch gar nicht. Eine Erbschaft ist ein Geschenk aus bereits voll versteuertem Einkommen. Es würde sicher einen Proteststurm der Entrüstung hervorrufen, wenn man sie selbst wie Einkommen besteuern würde. Deswegen bringt man das Argument mit der Leistungsfähigkeit wohlweislich auch immer nur bei den großen Erbschaften. Die kleinen Leute stellt man ruhig, indem man ihnen sagt, dass sie davon ja gar nicht betroffen sind. Das ist steuersystematisch natürlich äußerst fragwürdig.

          Deswegen argumentiert man auch, die Erbschaftsteuer hat für eine gewisse Chancengleichheit im Leben zu sorgen.

          Das ist wieder so ein halbgares Argument. Nähme man es ernst, müsste man Erbschaften zu 100 Prozent wegbesteuern. Im Übrigen ist der Erbe heute im Durchschnitt 50, 60 Jahre alt - da kann es nicht mehr um Chancengleichheit im Leben gehen. Das gehört zu dem Sammelsurium von Begründungen für die Erbschaftsteuer, die alle nicht konsequent angewendet werden. Es regiert letztlich die reine Willkür, indem mal dieses, dann wieder jenes Argument in den Vordergrund gerückt wird. Dazu kommen noch die sogenannten Verschonungsregeln, die noch den letzten Rest von Steuergerechtigkeit beseitigen. Wer zum Beispiel ein Unternehmen fortführt, soll weitgehend von der Erbschaftsteuer befreit werden. Derjenige, der Immobilien oder Barvermögen im selben Wert erbt, muss weiterhin Erbschaftsteuer zahlen. Das passt hinten und vorne nicht zusammen.

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