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Wolfgang Porsche : Wie gelingt es, steuerfrei auszuwandern?

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Wolfgang Porsche Bild: Foto Porsche

Will Wolfgang Porsche sein Vermögen dem Zugriff des deutschen Fiskus entziehen und so hunderte Millionen Euro Steuern sparen? Dokumente aus dem Finanzministerium legen das nahe. Über die Mühen ebenso kreativer wie legaler Steuergestaltung.

          Wolfgang Porsche sieht sich als Bewahrer der Familientradition. Der 70 Jahre alte Anführer des legendären Auto-Clans, der den Aufsichtsräten der Porsche SE und der Porsche AG vorsitzt, ist deshalb im Jahr 2010 aus Deutschland nach Österreich weggezogen. Denn in Zell am See befindet sich der Stammsitz der Familie, der Hof Schüttgut mit der Familiengrabkapelle. Dort hat Wolfgang Porsche – in Stuttgart geboren – seine ersten Lebensjahre verbracht. Die Porsches flohen damals vor dem Krieg ins Salzburger Land. Seit er seinen Hauptwohnsitz dorthin zurückverlegt hat, bezeichnet sich Wolfgang Porsche als „schwäbischen Österreicher“, wohnt in Salzburg und Zell am See.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          So ein Umzug ist schon für einen Normalbürger ein gewisser Aufwand – und erst recht für einen Milliardär. Am günstigsten wäre es, wenn sich dieser Umzug „steuerneutral“ gestalten ließe, wie es im Fachjargon unverfänglich heißt. Das ist im Fall von Porsche aber nicht so einfach: Schließlich hält er erhebliche mittelbare Beteiligungen unter anderem an Porsche und VW sowie an Scania, MAN und Europcar, einst gebündelt in einer deutschen GmbH.

          Der Verkehrswert der Beteiligungen liegt Schätzungen zufolge bei mehr als einer Milliarde Euro. Diese sollen nun – gesellschaftsrechtlich geschickt verpackt – nach Österreich transportiert werden. Noch ist nichts endgültig entschieden, doch die Überlegungen sind juristisch eine Gratwanderung: „Trotz der rechtlichen Zulässigkeit der einzelnen Umstrukturierungsschritte spricht einiges dafür, dass ein Missbrauch rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten gemäß § 42 Abgabenordnung vorliegt“, heißt es über die Pläne in einem vertraulichen internen Aktenvermerk des Bundesfinanzministeriums, der dieser Zeitung vorliegt.

          Der strafbaren Steuerhinterziehung gefährlich nahe

          Wer in ein anderes Land umziehen möchte, muss die „Wegzugbesteuerung“ einkalkulieren, die sich auf die in den Anteilen der GmbH enthaltenen stillen Reserven bezieht. Das hätte im Fall von Wolfgang Porsche bei seinem Umzug nach Österreich im Jahr 2010 eine steuerliche Belastung von mehreren hundert Millionen Euro bedeutet, wie aus internen Dokumenten des Finanzministeriums in Baden-Württemberg hervorgeht. Allerdings ist diese Steuer damals – und bis heute – zinslos gestundet worden. Sie wird erst dann fällig, wenn die Anteile verkauft oder auf eine Stiftung übertragen werden.

          Wolfgang Porsche, Enkel des Unternehmensgründers Ferdinand Porsche und Vetter des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch, stammt aus dem Zweig der Familie, der als anthroposophisch gilt. „Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man nicht nach Profiten giert, sondern dass man unter Menschen mit Menschen umgeht“, sagt er. Doch kann er als promovierter Handelswissenschaftler auch kühl kalkulieren. So fand er eine gesellschaftsrechtliche Konstruktion, die es ihm erlaubte, auszuwandern, ohne dass die Steuern anfielen: Sie beließ das Vermögen im Zugriffsbereich der deutschen Behörden. So weit, so gut.

          Schöne Aussichten: Wolfgang Porsche mit Lebensgefährtin Claudia Hübner bei einem Porschetreffen in Zell am See

          Doch nun strebt der Milliardär eine weitere – mutmaßlich missbräuchliche, aber nicht illegale – Neuordnung seiner Beteiligungen an, die auch seinem Geld den Weg nach Österreich ebnet – „steuerneutral“ versteht sich. Doch Steuersparmodelle sind zu einer gefährlichen Angelegenheit geworden, will man nicht der strafbaren Steuerhinterziehung gefährlich nahe kommen. Und spätestens seit dem Debakel von Uli Hoeneß ist klar, dass man deshalb auch ins Gefängnis wandern kann. Viel angenehmer ist es, die Finanzbehörden in die eigene Steueroptimierung aktiv mit einzubinden – vorausgesetzt, sie spielen dabei mit.

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