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Wal-Mart : Massenklagen mit Vergleich beigelegt

Schon seit Jahren verklagen Angestellte die Supermarktkette immer wieder wegen schlechter Behandlung Bild: REUTERS

Schlechte Bezahlung, keine Pausen und Diskriminierung von Frauen: Seit Jahren verklagen Angestellte die Supermarktkette Wal-Mart. Der Einzelhändler will nun seinen ramponierten Ruf verbessern und zahlt bis zu 640 Millionen Dollar an jetzige oder frühere Mitarbeiter.

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          Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart Stores Inc. hat in Amerika einen spektakulären Vergleich geschlossen und will damit einen großen Teil der Klagen beilegen, die sich um schlechte Behandlung von Mitarbeitern drehen. Wal-Mart gerät seit Jahren immer wieder in die Schlagzeilen wegen Vorwürfen, seine Beschäftigten auszubeuten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          So wird der Handelskonzern beschuldigt, seine Mitarbeiter schlecht zu bezahlen, ihnen keine Mittagspausen zu gewähren und Frauen in der Belegschaft zu benachteiligen. Das Unternehmen sah sich mit immer neuen Klagen konfrontiert, die sein Ansehen in der Öffentlichkeit schwer beschädigten.

          Mehr als 60 Klagen sind vom Tisch

          Nun hat Wal-Mart ein großes Stück weit reinen Tisch gemacht: Wal-Mart hat sich mit Klägeranwälten darauf geeinigt, insgesamt 63 juristische Auseinandersetzungen mit einem Vergleich beizulegen. Wal-Mart hat sich bereit erklärt, mindestens 352 Millionen Dollar und 640 Millionen Dollar an gegenwärtige oder frühere Mitarbeiter zu zahlen. Wie viel von der Summe auf jeden Mitarbeiter entfällt, hängt davon ab, wie viele Personen Ansprüche anmelden. Es könnte sich um Hunderttausende von Mitarbeitern handeln.

          Die Klagen drehen sich vor allem um schlechte Bezahlung und die Verweigerung von Pausen. Wal-Mart sah sich nach jüngsten Angaben insgesamt 76 solcher Klagen gegenüber. Einer dieser Fälle wurde schon vor wenigen Wochen mit einem Vergleich in Höhe von 54 Millionen Dollar beigelegt. Nach dem Massenvergleich bleiben damit noch 12 Klagen übrig. Die Vergleiche müssen noch in jedem einzelnen der 63 Fälle vom zuständigen Gericht genehmigt werden.

          Frauen systematisch diskriminiert

          Wal-Mart hat in den vergangenen Jahren einige dieser juristischen Auseinandersetzungen verloren: So wurde das Unternehmen im Jahr 2005 im Bundesstaat Kalifornien dazu verurteilt, 172 Millionen Dollar an seine Beschäftigten zu zahlen. Im folgenden Jahr gab es eine weiteren Schuldspruch in Pennsylvania, hier lag die Entschädigungssumme bei 187 Millionen Dollar. Gegen beide Entscheidungen hat Wal-Mart Berufung eingelegt, und keiner der beiden Fälle ist Teil des nun geschlossenen Vergleichs. Ebenfalls noch nicht beendet ist eine Auseinandersetzung um Geschlechterdiskriminierung in Kalifornien, die für Wal-Mart besonders bedrohlich sein könnte.

          Es handelt sich dabei um die größte Sammelklage, die es in der amerikanischen Geschichte jemals gegen einen privaten Arbeitgeber gegeben hat. Das Verfahren umfasst bis zu 1,6 Millionen derzeitige oder ehemalige Mitarbeiterinnen. In der Klage wird Wal-Mart vorgeworfen, Frauen bei Einstellungen, Beförderungen und bei der Bezahlung gegenüber männlichen Mitarbeitern benachteiligt zu haben. Nach einem Bericht der „New York Times“ hat es auch in dieser Auseinandersetzung Gespräche zwischen beiden Seiten über einen Vergleich gegeben.

          Milde von neuer Regierung erhofft

          Wal-Mart versucht seit einiger Zeit, gegen seinen schlechten Ruf als Arbeitgeber in der Öffentlichkeit anzukämpfen. Das Unternehmen wies nun darauf hin, dass viele der beigelegten Klagen schon vor Jahren eingereicht worden seien, und die darin aufgeführten Beschuldigungen hätten mit Wal-Mart in seiner heutigen Form nichts zu tun. Tatsächlich hat Wal-Mart zum Beispiel Maßnahmen ergriffen, um das Einhalten von Pausen sicherzustellen. So werden Kassenmitarbeiter mit elektronischen Signalen aufgefordert, ihre Pausen zu nehmen. Tun sie dies nicht, schalten sich die Kassen automatisch ab.

          Viele Beobachter meinen, der plötzliche Massenvergleich bei Wal-Mart könnte mit dem bevorstehenden Regierungswechsel in Amerika zu tun haben. Das Unternehmen, das traditionell der Republikanischen Partei nahesteht, könnte sich davon versprechen, die neue Regierung unter dem Demokratischen Präsidenten Barack Obama milde zu stimmen. So werden in Amerika zum Beispiel gerade Gesetze diskutiert, um die Bildung von Gewerkschaften in Unternehmen zu erleichtern. Wal-Mart sträubt sich seit Jahren mit aller Macht dagegen, Gewerkschaften zuzulassen.

          Die Bemühungen, die Vergangenheit abzuhaken, fallen außerdem in die Zeit eines Übergangs an der Unternehmensspitze. Anfang Februar nächsten Jahres wird der derzeitige Vorstandsvorsitzende Lee Scott seinen Posten an Mike Duke übergeben.

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