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Vierter Prozesstag : VW-Spitze könnte schon Anfang 2004 von Lustreisen gewusst haben

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Im Landgericht Braunschweig: der ehemalige Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer Bild: dpa

Vor dem Landgericht Braunschweig kamen heute weitere Zeugen der VW-Affäre zu Wort. Die Führungsspitze des Konzerns könnte demnach schon früher als bislang bekannt über Lustreisen des Betriebsrates informiert worden sein.

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          Die Führungsspitze des VW-Konzerns könnte schon Anfang 2004 über Lustreisen des Betriebsrates informiert worden sein. Das geht aus der Aussage eines ehemaligen Betriebsarztes im Prozess um die VW-Affäre am Dienstag vor dem Landgericht Braunschweig hervor. Bisher hatte es geheißen, die Ausgaben für Betriebsratsreisen seien erst im Februar 2005 auffällig geworden.

          Der leitende Werksarzt im Ruhestand berichtete in dem Verfahren gegen Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und den früheren Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer über einen Vorfall in einem Berliner Hotel, durch den das VW-Management möglicherweise bereits Anfang des Jahres 2004 auf unkorrekte Spesen-Abrechnungen von Gebauer aufmerksam geworden sein könnte.

          Die Managerin des Berliner Hotels, in dem Gebauer unter Alkoholeinfluss aggressiv geworden sei, habe sich bei einem VW-Topmanager beschwert. Der wiederum habe den Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder angesprochen, sagte der Werksarzt aus. Pischetsrieder habe daraufhin Vorstand Peter Hartz angesprochen, und der habe schließlich eine Untersuchung Gebauers wegen eines möglichen Alkoholproblem veranlasst.

          „Die da oben wissen Bescheid“

          Bei einem Arzttermin im Januar 2004 habe Gebauer erklärt, VW-Topmanager und der Vorstand wüssten über die unkorrekten Spesenabrechnungen nunmehr Bescheid, sagte der Mediziner vor Gericht aus. Gebauer habe seinerzeit gesagt: „Die da oben wissen Bescheid über gewisse Reisen und Abrechnungen.“ Es sei dabei um Reisekostenabrechnungen der vergangenen zwei, drei Jahre und um mehrere hunderttausend Mark gegangen.

          Gebauer habe bei der von Hartz veranlassten Untersuchung nicht wegen des eventuellen Alkoholproblems unter Druck gestanden, meinte der Arzt. „Der erhebliche Druck kam dadurch zu Stande, weil andere Personen etwas über seine Abrechnungen erfahren hatten“, erklärte er. Der Zeuge gab zu, bei Reisen selbst Dienste von VW bezahlter Hostessen in Anspruch genommen zu haben. Er habe auch den Besuch eines Etablissements in Prag bei VW abgerechnet. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Arzt hatte die Staatsanwaltschaft gegen eine Geldbuße eingestellt.

          Betriebsratschef wie Topmanager behandelt

          Nach Aussage des Arztes war die hohe Bezahlung des ehemaligen VW-Betriebsratschefs Klaus Volkert bei Volkswagen allgemein bekannt. „Es war Allgemeinwissen bei den VW-Topmanagern und bei Managern des VW-Personalwesens, dass Herr Volkert wie ein Topmanager behandelt wird“, sagte er. Einige Topmanager hätten auch gemeint, Volkert werde wie ein Markenvorstand bezahlt. „Im Kontext der VW-Kultur war das allgemein akzeptiert“, sagte der Zeuge. Die Wirtschaftsstrafkammer wollte am vierten Prozesstag außerdem noch dem Ex-Skoda-Manager Helmuth Schuster und den vormaligen VW-Finanzvorstand Bruno Adelt als Zeugen hören. Adelt sollte darüber Auskunft geben, ob VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch eventuell frühzeitig über die Affäre informiert war. Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Volkert muss sich vor der Wirtschaftsstrafkammer wegen Anstiftung zur Untreue in 48 Fällen verantworten. Ex-Personalmanager Gebauer steht wegen Untreue in 40 Fällen vor Gericht.

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