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Strafprozess in München : „Herr Hoeneß, erzählen Sie keinen vom Pferd!“

Uli Hoeness mit seinem Anwalt Markus Gotzens (r) Bild: REUTERS

Für Uli Hoeneß geht es vor Gericht vom ersten Moment an bergab. Sein Verteidiger versucht ihn davor zu bewahren, sich um Kopf und Kragen zu reden - und haut dafür sogar mehrmals kräftig auf den Tisch.

          Der Justizpalast am Münchner Stachus ist ein Prunkbau wie der Reichstag in Berlin mit einer monumentalen Eingangshalle, schmiedeeisernen Türen und imposanter Glas-Eisen-Kuppel. 1897 im neubarocken Stil erbaut, hat er schon viel erlebt. Ein Fall, in dem ein Fußballpräsident mit Millionen auf einem geheimen Konto in der Schweiz gezockt und sich schließlich selbst der Steuerhinterziehung anzeigte, ist noch nie in Deutschland verhandelt worden. An diesem Montag glänzt die Fassade in der bayerischen Frühlingssonne besonders hell und friedlich. Doch das freundliche Bild soll nicht recht passen zu dem Drama, das sich hinter den dicken Mauern im Saal 134 abspielt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Es ist kurz nach zehn Uhr, als es aus Uli Hoeneß vor dem Landgericht herausbricht: „Ich will ohne Wenn und Aber reinen Tisch machen und zeigen, dass ich steuerehrlich bin – vielleicht soll ich besser sagen, geworden bin“, räumt der Präsident des FC Bayern München kleinlaut ein. Hoeneß setzt seine Brille auf und liest eine vorbereitete Erklärung vom Blatt ab. Er bleibt dabei auf seinem Stuhl sitzen und spricht mit ruhiger Stimme. Alles soll unter Kontrolle bleiben.

          Dabei sind die Dinge schon ein paar Tage vorher aus dem Ruder gelaufen. Am vergangenen Mittwoch legen die Verteidiger von Hoeneß dem Gericht neue Dokumente vor. Und sie offenbaren, dass das Ausmaß der Steuerhinterziehung noch viel größer ist. Bislang gingen Gericht und Staatsanwaltschaft davon aus, dass Hoeneß dem Fiskus rund 3,5 Millionen Euro vorenthalten hat. Schon das ist eine beeindruckende Zahl. Zum Prozessauftakt verliest Staatsanwalt Achim von Engel in aller Kürze die Anklageschrift. Fast beiläufig erwähnt er, dass Hoeneß nicht nur 3,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen, sondern außerdem zu Unrecht 5,5 Millionen Euro an Verlustvorträgen aus seinen Wertpapierdeals in Deutschland geltend gemacht habe.

          Doch dann bringt Hoeneß’ Verteidiger Hanns W. Feigen in seiner Erklärung jene Zahl ins Spiel, die sich aus den nachgereichten Dokumenten ergibt: Es geht nicht mehr länger „nur“ um 3,5 Millionen Euro. Weil Hoeneß auch beträchtliche Spekulationsgewinne aus Devisentermingeschäften erzielte, kommen nach weiteren 50000 Buchungsvorgängen auf dem Geheimkonto bei der Schweizer Bank noch einmal 15 Millionen Euro hinzu. Eine Summe, die sich aus den 70000 Blatt Papier ergibt, die man dem Gericht erst spät, ein Jahr nach der Selbstanzeige, überreicht hat. Doch auch wenn sich der Hinterziehungsbetrag dadurch erheblich erhöht, sagt Verteidiger Feigen, ändere dies nichts an der entscheidenden Frage, „ob die vollständige Rückkehr des Herrn Hoeneß zur Steuerehrlichkeit zu bejahen ist“.

          Der 64 Jahre alte Strafverteidiger gehört erst seit Dezember zum dreiköpfigen Verteidigerteam des Bayern-Präsidenten. Feigen ist immer dann gefragt, wenn es besonders knifflig wird: Der Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen vertraute Feigen ebenso wie der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Und den einstigen Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, der wie Hoeneß Steuern hinterzogen hatte, rettete Feigen vor einer Gefängnisstrafe. Da ging es allerdings um weniger als 1 Million Euro.

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