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Streit um Vanillearoma : Schwere Niederlage für Warentest gegen Ritter Sport

Im Test von Vollmilch-Nuss-Schokoladen hatte die Stiftung Warentest der Ritter Sport-Tafel die Note fünf gegeben Bild: picture alliance / dpa

Quadratisch, praktisch, freigesprochen: Der Schokoladenhersteller Ritter Sport gewinnt vor Gericht gegen die Stiftung Warentest: Die Prüfer dürfen nicht mehr behaupten, das Vanillearoma der Schokolade sei irreführend.

          Wochenlang haben Ritter Sport und die Stiftung Warentest über einen Aromastoff in der Schokolade gestritten. Am Montag fällte das Landgericht München unter dem Vorsitz von Richter Peter Lemmers ein schnelles Urteil: Die Berliner Prüfer dürfen dem schwäbischen Schokoladenhersteller nicht länger eine irreführende Kennzeichnung des Vanillearomas vorwerfen. Anderenfalls drohe der Stiftung ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Es ist eine schwere Niederlage für die Stiftung Warentest, die in der Öffentlichkeit hohes Ansehen genießt und auf deren Testergebnisse Millionen Verbraucher vertrauen. Entsprechend hohe Wellen schlug das vernichtende Zeugnis, das die Stiftung Ende November dem Schokoladenhersteller Ritter Sport ausstellte: Mit der Note „mangelhaft“ hatten die Tester die Voll-Nuss-Schokolade bewertet, weil Ritter Sport den angeblich chemisch hergestellten Aromastoff Piperonal verwende.

          Doch Ritter Sport beharrte darauf, dass es sich um ein natürliches Aroma handele, erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung Warentest und berief sich dabei auf eine Garantieerklärung des Aromenherstellers Symrise. Die Firma aus dem niedersächsischen Holzminden, die einen Milliardenumsatz mit Aromastoffen macht, hatte vor Gericht eine eidesstattliche Versicherung abgelegt, dass das Aroma natürlichen Ursprungs sei. Piperonal werde ausschließlich aus botanischen Quellen gewonnen und komme in Pflanzen wie Pfeffer und Dill vor.

          Das Landgericht München folgte nun der Darstellung der beiden Unternehmen und hielt die einstweilige Verfügung aufrecht. Richter Lemmer verkündete das Urteil übrigens nur in Anwesenheit von einem halben Dutzend Journalisten. Die Stühle der Verfahrensbeteiligten blieben leer.

          Bei Ritter Sport können die Schokoladenmanager derweil aufatmen. Seit Jahren wirbt das Unternehmen damit, ausschließlich natürliche Aromen zu verwenden. Ritter Sport „Voll-Nuss“ ist die meistverkaufte Schokoladentafel der Schwaben. Die Stiftung Warentest kann gegen das Urteil allerdings noch Einspruch einlegen. Für die Verbraucher ändert sich mit dem Urteilsspruch vom Montag nichts. Denn für die eigene Gesundheit bestand nie Gefahr, ganz gleich, ob der verwendete Aromastoff chemisch oder natürlich erzeugt wird.

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