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Unternehmensbesteuerung : Steuerreform lässt Gewinne schon jetzt steigen

Profitieren von der Steuerreform Bild: ddp

Die Dax-Konzerne haben erstmals die Effekte der Unternehmensteuerreform beziffert: Für die meisten überwiegt das Positive. Größter Profiteur ist im 3. Quartal 2007 der Bayer-Konzern - mit einem positiven Steuereffekt von 911 Millionen Euro.

          Noch vor ihrem Inkrafttreten lässt die Unternehmensteuerreform die Gewinne großer Konzerne steigen. Wie eine Auswertung der jüngsten Quartalsergebnisse der im Dax vertretenen dreißig größten Aktiengesellschaften zeigt, berichten zehn Unternehmen von einem Gewinnplus infolge der Reform in der Größenordnung von zusammen 2,7 Milliarden Euro. Bei zwei weiteren Unternehmen wird vermutet, dass sie zusammen um 300 Millionen Euro entlastet werden.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Doch gibt es auch den gegenteiligen Effekt: Sieben Unternehmen werden durch die steuerliche Neuregelung belastet. Ihre addierten Verluste sind allerdings mit 1,5 Milliarden Euro nur halb so hoch wie die Zusatzgewinne. Bei zehn Kapitalgesellschaften dürfte der Effekt der Reform eher neutral ausgefallen sein, da ihre Quartalsberichte keine anderen Hinweise geben. Ein Unternehmen berichtet von einer steigenden Steuerquote, ohne absolute Zahlen zu nennen.

          Reform drückt Gewinne nur in Ausnahmefällen

          Das Ergebnis ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil es kürzlich Spekulationen gab, wonach die Steuerreform noch in diesem Jahr die Unternehmensgewinne drücken werde. Das kann tatsächlich passieren, wenn ein Unternehmen in den Vorjahren hohe Verluste gemacht hat, die mit künftigen Gewinnen verrechnet werden können. Mit sinkenden Steuersätzen verlieren diese Verlustvorträge an Wert. Das Bilanzrecht zwingt die Unternehmen, solche Änderungen sofort zu berücksichtigen.

          Doch das ist die Ausnahme. Die Regel ist viel einfacher: Bei einem gegebenen Gewinn wird die Steuerlast nach dem Jahreswechsel sinken – wenn nicht die zur Gegenfinanzierung durchgesetzten Maßnahmen dazwischenfunken. Auch das spiegelt sich in den Quartalsberichten. Wie sie zeigen, überwiegt der positive Effekt aus der Steuersatzsenkung. Da die Unternehmensteuerreform Anfang Juli endgültig beschlossen wurde, mussten die Aktiengesellschaften sie im dritten Quartalsbericht berücksichtigen. Fachleute warnen jedoch davor, solche Gewinne oder Verluste überzubewerten, die mit einer Steueränderung einhergehen. Sie stünden nur auf dem Papier und seien einmaliger Natur.

          Bayer profitiert am meisten

          Größter Profiteur der Unternehmensteuerreform ist im dritten Quartal 2007 der Chemiekonzern Bayer gewesen. Das Unternehmen nennt einen „im Zusammenhang mit der Unternehmensteuerreform in Deutschland stehenden einmaligen, nicht zahlungswirksamen positiven Steuereffekt in Höhe von 911 Millionen Euro“. An zweiter Stelle folgt die BMW AG. Sie schreibt, die Ertragsteuern hätten um 522 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr abgenommen: „Das Ergebnis ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass erstmalig die Effekte aus dem am 6. Juli vom Bundesrat verabschiedeten Unternehmensteuerreformgesetz 2008 enthalten sind.“ Erheblich ist die Auswirkung auch beim Versicherungskonzern Münchener Rück. Wie der Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard seinen Aktionären schreibt, hat zum Quartalsgewinn beigetragen, „dass durch die Unternehmensteuerreform 2008 einmalig rund 400 Millionen Euro als zusätzlicher Ergebnisbeitrag verbucht werden konnten“.

          Von Entlastungen in dreistelliger Millionenhöhe berichten auch Lufthansa (211 Millionen Euro), BASF (186 Millionen Euro), Deutsche Postbank (181 Millionen Euro), Eon (130 Millionen Euro, aber einschließlich einer britischen Steuersatzsenkung) und Deutsche Post (107 Millionen Euro). Nicht eindeutig ist der Bericht der Deutschen Bank, die nur eine Gesamtentlastung von 353 Millionen Euro aus Steuerreform und Verlustverrechnung angibt. Für Thyssen wird nach früheren Aussagen mit einem Steuerertrag nicht unter 100 Millionen Euro gerechnet; das Unternehmen hat seinen Quartalsbericht noch nicht veröffentlicht. Entlastungen in zweistelliger Millionenhöhe nennen Allianz (34 Millionen Euro) und Linde (12 Millionen Euro).

          Verlierer: Die Deutsche Telekom

          Am negativsten schlägt die Steuerreform im Quartalsbericht der Deutschen Telekom zu Buche. Das Unternehmen beziffert den Verlusteffekt auf 660 Millionen Euro, „der jedoch nicht mit zusätzlichen Steuerzahlungen und daher negativen Liquiditäts- oder Zinseffekten einhergeht“. Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe nennen auch RWE (256 Millionen Euro), Volkswagen (200 Millionen Euro), Metro (160 Millionen Euro) und Commerzbank (148 Millionen Euro). Hypo Real Estate Holding und Infineon berichten von negativen Effekten von 53 und 27 Millionen Euro durch die Unternehmensteuerreform.

          Die MAN AG schreibt nur, dass die Steuersatzänderungen sich mit einer Erhöhung der Steuerquote der Gruppe um 2 Prozentpunkte auswirken werden. Der Geschäftsbericht von Siemens liegt noch nicht vor, signifikante Auswirkungen werden für die Gesellschaft jedoch nicht erwartet.

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