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Von 3,5 auf 27 Millionen Euro : Hoeneß’ wundersam gewachsene Steuerschuld

  • -Aktualisiert am

Uli Hoeneß zu Beginn des dritten Verhandlungstages. Bild: dpa

Uli Hoeneß hat viel mehr Steuern hinterzogen als angenommen. Pikant dabei ist: Verteidigung und Steuerfahnder errechneten unterschiedliche Zahlen aus denselben Unterlagen. Wie aus 3,5 Millionen Euro 27 wurden.

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          Die ersten beiden Prozesstage im Steuer-Prozess gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß verliefen turbulenter als erwartet. Beinahe stündlich erhöhte sich Hoeneß' Steuerschuld - von zunächst 3,5 Millionen über 9 Millionen auf letztendlich bis zu 27 Millionen Euro - diesen Betrag hat heute auch die Verteidigung akzeptiert. Doch wie konnte die Steuerschuld eigentlich während des Verfahrens so stark steigen und wie erklären sich die jeweiligen Zahlen?

          3,5 Millionen Euro

          Gut 3,5 Millionen Euro an Steuern habe der Bayern-Patron dem deutschen Fiskus vorenthalten, hieß es vor Beginn der Verhandlung. Die Summe soll sich vor allem aus Kapitalerträgen zusammengesetzt haben, die Hoeneß auf seinen Konten bei der Schweizer Bank Vontobel angehäuft hatte.

          5,5 Millionen Euro

          Doch gleich zu Beginn des ersten Prozesstages bereitete Staatsanwalt Achim von Engel mit der Anklageverlesung eine erste Überraschung: Zusätzliche 5,5 Millionen Euro Verlustvorträge soll Hoeneß beim Finanzamt geltend gemacht haben. Zu Unrecht, meinen die Ankläger.

          15 Millionen Euro

          Für die eigentliche Sensation sorgte wenige Minuten später jedoch Hoeneß höchstpersönlich. In einer vorbereiteten Stellungnahme erklärte er, „reinen Tisch machen“ zu wollen - und gab zu, 15 Millionen Euro mehr hinterzogen zu haben, als ursprünglich kolportiert. Die zusätzliche Steuerschuld häufte der Bayern-Präsident mit Devisentermingeschäften an, mehr als 50.000 Trades hatte Hoeneß zwischen 2001 und 2010 nach eigener Aussage getätigt.

          23,7 Millionen Euro

          Aber auch dabei sollte es nicht bleiben. Am zweiten Prozesstag schätzte eine Rosenheimer Steuerfahnderin den durch Devisengeschäfte entstandenen Steuerschaden wesentlich höher ein: auf 23,7 Millionen Euro. Insgesamt hätte Hoeneß damit 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen. Mittlerweile hält auch der Verteidiger des Bayern-Präsidenten, Hanns W. Feigen, die aufgerufene Summe für zutreffend - und das Gericht ebenfalls.

          Bemerkenswert: Die Ermittlerin stützt ihre Berechnungen auf dieselben Unterlagen, aus denen die Hoeneß-Verteidiger zuvor die geringere zusätzliche Steuerschuld berechnet hatten. Warum Hoeneß ursprünglich wesentlich weniger zugegeben hatte, ist immer noch unklar.

          Zudem sagte die Steuerfahnderin aus, das umfangreiche Material erst knapp zwei Wochen vor Prozessbeginn erhalten haben zu haben. Die EDV-Abteilung der Steuerfahndung habe jedoch ermittelt, dass zumindest Teile der Daten bereits vor gut einem Jahr von Hoeneß' Schweizer Bank erstellt worden seien. Die Verteidiger des Bayern-Präsidenten widersprachen: Es habe bis kurz vor Prozessbeginn gedauert, die Daten zusammenzustellen.

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