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Steueroase in Not : Cayman-Inseln vor dem Staatsbankrott

Pleite im Paradies: Die Oase soll die Steuern erhöhen Bild: ASSOCIATED PRESS

Bisher galt die karibische Cayman-Inselgruppe als Paradies für Steuerhinterzieher und Hochburg der Hedge-Fonds. Nun droht der Regierung das Geld auszugehen. Gibt es bald etwa Steuern in der Steueroase? Die Bürger jedenfalls sind empört.

          Das Schreiben aus dem fernen London, das kürzlich bei der Regierung der Cayman Islands einging, sorgte in der früheren britischen Kolonie für wenig Begeisterung. „Ich fürchte, es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als die Einführung neuer Steuern zu erwägen“, mahnte Chris Bryant, ein Staatsminister im britischen Außenministerium. Steuern in der Steueroase? Auf den Cayman Islands schlagen die Wellen hoch. „Zuerst kommt die Einkommensteuer, dann eine Grundsteuer, und am Ende sind wir wie die Vereinigten Staaten und haben jede Menge Probleme mit inkompetenten Leuten, die unser Geld verwalten“, empörte sich eine Bürgerin in einem Leserbrief an die Online-Gazette Cayman Net News.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Bisher zahlen die knapp 50.000 Einwohner der karibischen Inselgruppe weder Einkommen- noch Unternehmensteuern. Neben verschiedenen Gebühren gibt es auf den Cayman Islands nur indirekte Steuern. Wegen solch traumhafter Rahmenbedingungen ist die entlegene Inselgruppe zu einem der global größten Magneten für Briefkastenunternehmen vor allem aus der Finanzindustrie geworden - und zum Ärgernis für Finanzminister rund um den Globus auf ihrer Jagd nach Steuerhinterziehern.

          Schuldenstand auf Rekordniveau

          Doch nun droht dem karibischen Steuerparadies der Bankrott. Es steht schlecht um die Staatsfinanzen der Cayman Islands, die als Teil der britischen Überseegebiete trotz weitgehender Autonomie noch immer der Kontrolle durch das Londoner Außenministerium unterstehen. Die Inselgruppe, die vor fünf Jahren von einem schweren Hurrikan heimgesucht wurde, hat stark in ihre Infrastruktur investiert. Inzwischen hat der Schuldenstand ein Rekordniveau erreicht und die Finanznot ist akut. Nach örtlichen Medienberichten soll der Regierung in der Hauptstadt George Town ohne neue Kredite sogar das Geld fehlen, um im September die Gehälter für den öffentlichen Dienst zu zahlen.

          Ein Bankenkonsortium will den Cayman Islands zwar einen Notkredit von rund 370 Millionen Dollar bereitstellen. Doch das britische Außenministerium verweigert bislang die Genehmigung und fordert die Regierung auf, zunächst für eine solide Einnahmebasis zu sorgen. „Ich muss absolut sicher sein, dass es einen tragfähigen mittelfristigen Finanzplan gibt“, schrieb Staatsminister Bryant unmissverständlich.

          Die örtliche Geldbranche verwaltet 3,2 Billionen Dollar

          Auf 590 Millionen Dollar ist die öffentliche Verschuldung der Cayman Islands angestiegen. Ein Trinkgeld im Vergleich zu den gewaltigen Summen, die wegen der Steuerbefreiung für Unternehmen im Finanzgewerbe der Inselgruppe umgeschlagen werden. Ende 2007 verwaltete die örtliche Geldbranche nach Angaben der Finanzaufsicht Cima Vermögenswerte von 3,2 Billionen Dollar. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Nirgendwo auf der Welt sind mehr Hedge-Fonds registriert als auf den Cayman Islands. Knapp 10.000 Fonds sind es zur Zeit. Die Karibikinseln dienen den Finanzmanagern freilich nur als formaler Unternehmenssitz. Tatsächlich lenken sie ihre Geschäfte meist von New York oder London aus.

          Mit dem Mitleid der großen Industrieländer brauchen die klammen Cayman Islands nicht zu rechnen. Den OECD-Staaten gelten die sogenannten Offshore-Zentren schon lange als Komplizen der Steuerhinterziehung. Neben den Cayman Islands sind vor allem in diesem Jahr viele andere Steuerparadiese wie Liechtenstein, Andorra oder die Kanalinseln Guernsey und Jersey ins Visier der OECD geraten. Inzwischen haben auch die Cayman Islands zugestimmt, unter bestimmten Bedingungen Steuerdaten mit den Behörden anderer Länder auszutauschen.

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