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Getrübte Freude : Steuern auf Preisgelder

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Frank Ommerborn Bild: Archiv

Nicht immer ist die Freude über die Verleihung eines Preises ungetrübt. Denn unter bestimmten Umständen hält auch der Fiskus die Hand auf, wie der Kölner Steuerberater Frank Ommerborn erläutert.

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          Preisträger freuen sich in aller Regel über die mit der Auszeichnung verbundene Ehre. Es könnte jedoch sein, dass mit Abgabe der nächsten Einkommensteuererklärung die Freude ein bisschen getrübt wird. Denn der Bundesminister für Finanzen hat in einem rund zehn Jahre alten Schreiben verfügt, wann Einnahmen aus solchen Ehrungen steuerpflichtig sind. Danach unterliegen Preisgelder insbesondere für wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen der Einkommensteuer, wenn sie unter eine der sieben Einkunftsarten fallen. Dabei sind besonders die Ausschreibungsbedingungen und die der Preisverleihung zugrundeliegenden Ziele zu beachten.

          Beruflicher Zusammenhang

          Steuerpflichtig sind Preise, wenn die Preisverleihung in einem untrennbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit des Ausgezeichneten liegt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn zur Erzielung des Preises ein besonderes Werk geschaffen und der Preis wegen dieses Werkes verliehen wurde. Ein Zusammenhang mit steuerpflichtigen Einkünften ist auch gegeben, wenn die Preisverleihung in nicht unbedeutendem Umfang der beruflichen Tätigkeit des Trägers dient. Dies ist zum Beispiel der Fall bei werbewirksamen Auszeichnungen im Rahmen von betriebs- und berufsbezogenen Ausstellungen, wie etwa Ausstellungen kunstgewerblicher Erzeugnisse.

          Ebenfalls gilt dies bei Geldpreisen mit Zuschusscharakter, die vom Empfänger im Rahmen seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit verwendet werden müssen – so bei Starthilfen nach der Meisterprüfung als Handwerker oder Filmpreisen, die nach den Vergaberichtlinien einer Zweckbestimmung zur Herstellung eines neuen Films dienen.

          Heikler Ideenwettbewerb

          Ein Indiz für den wirtschaftlichen Charakter der Preisverleihung ist die Bewerbung um den Preis, wie beispielsweise bei einem Ideenwettbewerb der Architekten. Privat und somit steuerfrei ist das Preisgeld dagegen, wenn die Verleihung in erster Linie dazu bestimmt ist, das Lebenswerk oder Gesamtschaffen des Empfängers zu würdigen. Gleiches gilt, wenn die Persönlichkeit des Preisträgers geehrt werden soll, seine Grundhaltung ausgezeichnet oderseine Vorbildfunktion herausgestellt werden soll.

          Dies ist insbesondere bei Preisen gegeben, die ein bestimmtes Werk oder eine bestimmte Leistung wie eine besondere Forschungstätigkeit ehren. Die Gesamtpersönlichkeit oder das bisherige Gesamtschaffen muss entscheidend zur Preisverleihung beigetragen haben. Davon ist insbesondere bei der Verleihung des Nobelpreises, des Goethepreises, des Theodor-Wolff-Preises für Journalisten oder beim Deutschen Zukunftspreis für Technik und Innovation auszugehen.

          Künstlerische Einzelleistung

          Die Verleihung eines Filmpreises für künstlerische Einzelleistungen ist im Regelfall einkommensteuerfrei, weil davon auszugehen ist, dass mit dem Preis eine bestimmte berufliche Leistung des Preisträgers gewürdigt werden soll. Anders verhält es sich, wenn der Preis nicht für eine bestimmte Leistung verliehen wird. Diese Preise unterliegen der Einkommensteuer.

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