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Steueraffäre : Der Datenklau regt in Vaduz fast alle auf

  • -Aktualisiert am

Burg in Vaduz: Hier wohnt die Fürstenfamilie Bild: AFP

Auf den Straßen in Liechtenstein geht es beschaulich zu in diesen Tagen. Auffällig sind nur die Kamerateams, die durch die Hauptstadt Vaduz ziehen. Dort interpretieren die Menschen den Steuerstreit mit Deutschland überwiegend als Anmaßung gegenüber dem Zwergenstaat.

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          Liechtenstein ist nicht nur das große Geld, genauer gesagt nicht nur das vor dem Finanzamt versteckte Geld, wie es derzeit in Deutschland erscheinen mag. 42 Prozent und damit deutlich mehr als die Finanzdienstleister tragen Industrie und Gewerbe zur Wirtschaftsleistung bei. Das sind Unternehmen wie Hilti. Der Bohrgerätehersteller ist der wohl bekannteste Industriekonzern des kleinen Landes mit seinen etwa 35.000 Einwohnern, der größten Industriedichte in Europa und der traumhaft niedrigen Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent. „Wir sind sehr unglücklich über den Steuerstreit zwischen den beiden Ländern, denn er verdeckt die Qualität des Wirtschaftsstandortes Liechtenstein“, sagte Pressesprecherin Jessica Nowak.

          Und nicht nur das. Hilti hat in Deutschland 2500 Beschäftigte. Diese sind angesichts des Mediengewitters um den einstigen Postchef Zumwinkel und Co. verunsichert. Ihnen gilt es nun zu erklären, dass das Liechtensteiner Traditionsunternehmen nichts mit Steuerhinterziehern zu tun hat, sondern ein ganz normales, wenngleich höchst erfolgreiches Industrieunternehmen ist wie viele andere auf der Welt. Immerhin 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entfallen auf die Finanzdienstleister. Sie leben nicht zuletzt von den 45.000 bis 50.000 Stiftungen im Land. Seit 2001 denken die Liechtensteiner über eine Reform nach, erst jetzt liegt ein Vorschlag der Regierung auf dem Tisch.

          Sieg der Treuhandlobby

          Der entscheidende Punkt, die Möglichkeit anonymer Stiftungen, erfährt allerdings keine Änderung - ein Sieg der Treuhandlobby, wie der Rechtsanwalt und Stiftungsexperte Harald Bösch moniert. Auf der Straße wird der Steuerstreit mit Deutschland überwiegend als Anmaßung gegenüber dem Zwergstaat interpretiert; der Erbprinz Alois habe mit seinen Worten vom „Angriff gegen Liechtenstein“, der „Hehlerei im großen Stil“ bei der Datenbeschaffung und der „Medienkampagne“ die richtige Antwort gegeben, heißt es. Am Donnerstag war der Erbprinz bei der Eröffnung der Parlamentssaison allerdings um Mäßigung bemüht. Er wolle das Pingpongspiel zwischen Berlin und Vaduz nicht fortsetzen, sondern zur Tagesarbeit zurückkehren, sagte er.

          Ein Österreicher in einem der größeren Hotels des Fürstentums meint, in der harschen Ablehnung des Datenklaus seien sich alle einig. Kritik wird nur vereinzelt laut. So findet der Parlamentarier Paul Vogt von der Freien Liste, es sei verständlich, dass Deutschland bei der Jagd nach Steuersündern zu unkonventionellen Mitteln greife. Aber die Freie Liste verkörpert nur die Miniopposition in dem von Vaterländischer Union und Fortschrittlicher Bürgerpartei beherrschten Landtag, und dies betrifft auch die Steuerfrage. Es gilt weiterhin der Spruch von Fürst Hans-Adam II., dem Herrn des Fürstenhauses und formalen Regenten bis 2004, Steueroasen könne es nur dort geben, wo in der Umgebung Steuerwüsten existierten.

          Beschauliche Ruhe

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