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Kritik an WM-Vergabe : Qatar mit Gauweiler gegen Zwanziger

Peter Gauweiler Bild: AFP

Die Qatarer gehen juristisch gegen den früheren DFB-Präsidenten Zwanziger vor. Und haben dafür die Kanzlei des früheren Bundestagsabgeordneten Gauweiler verpflichtet. Zwanziger selbst reagiert gegenüber FAZ.NET mit Ironie.

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          In der juristischen Auseinandersetzung zwischen dem Staat Qatar und dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, gibt es neue Erkenntnisse. Die Rechtsanwaltskanzlei Bub, Gauweiler und Partner bestätigte FAZ.NET, vom Emirat zur Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt worden zu sein.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hier ist der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler geschäftsführender Partner. Der Wirtschaftsanwalt und langjährige Politiker hatte zuletzt die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch im Rechtsstreit gegen die Deutsche Bank erfolgreich vertreten. 

          Zwanziger, der derzeit im Urlaub weilt, sei  inzwischen die Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungsverpflichtungserklärung an seine Heimatadresse in Rheinland-Pfalz zugestellt worden. Das ist aus Kreisen der Botschaft Qatars in Berlin zu hören. Es geht hierbei um Äußerungen Zwanzigers in verschiedenen Medien, in denen er Qatar als „Krebsgeschwür des Weltfußballs“ bezeichnet habe. Zwanziger selbst hat auf Anfrage am Freitagmittag mit Ironie auf den Fall reagiert: „Dieses Vorgehen wird die Popularität Qatars als WM-Austragungsort und sein Image in der Welt bestimmt entscheidend voranbringen“, sagte er FAZ.NET.   

          Qatar wird wohl Klage einreichen

          Wenn  Zwanziger die Unterlassungserklärung nicht abgeben sollte, wovon derzeit auszugehen ist, werden die Qatarer wohl bei einem deutschen Gericht eine Privatklage gegen den früheren Fußballfunktionär einreichen. In einer Mitteilung der Botschaft Qatars hieß es am Donnerstag, Zwanzigers Äußerungen zu Qatar seien eine „nicht hinnehmbare Verleumdung und Herabwürdigung seiner Bürger und staatlichen Gemeinschaft beziehungsweise seiner Mitglieder“. Qatar sei grundsätzlich offen für konstruktive Kritik, das von Zwanziger benutzte Wort „Krebsgeschwür“ sei aber das genaue Gegenteil. Zudem fehle es Zwanzigers Kritik an Beweisen.

          Allerdings liegt Zwanzigers Aussage schon mehr als zwei Jahre zurück. Zuletzt wurde sie immer wieder von Medien aufgegriffen. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ am 26. April 2013 hatte er gesagt: „Der unendliche Reichtum dieses kleinen Landes Qatar breitet sich fast wie ein Krebsgeschwür über den Fußball und den Sport aus. Ich bin ja selbst hin und wieder angesprochen und eingeladen worden. Dieses kleine Land nutzt seine wirtschaftliche Stärke, um Einfluss zu nehmen auf Entscheidungen in der Politik und im Sport. Wenn dann bei der Vergabe der WM am Ende keine sachgerechte, sondern die schlechteste aller möglichen Entscheidungen steht, dann ist das eine große Niederlage für den Fußball. Wie kann man dagegen angehen? Nur durch Distanz zu diesem System und Charakter.“

          Zwanziger hatte die Vergabe der WM 2022 an das Emirat stets kritisiert und dabei neben den Korruptionsvorwürfen auch die Menschenrechtsfrage in den Mittelpunkt seiner Bedenken gestellt. Zwanziger prangerte auch als Mitglied des Vorstandes des Internationalen Fußball-Verbandes Missstände an und trat dafür auch beim Europäischen Parlament auf. Qatar muss sich seit einiger Zeit gegen Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen wehren, die weiterhin eine Ausbeutung von Gastarbeitern auf den Baustellen des Landes sehen. Zwanziger gehört seit dem vergangenen Fifa-Kongress nicht mehr dem höchsten Gremium des Weltverbandes an.

          Offenbar wollen die Qatarer in einer Art juristischer Offensive gegen aus ihrer Sicht beleidigende Kritik vorgehen. In Frankreich wurde ein Politiker des Front National ins Visier genommen. Dieser hatte das Emirat mehrmals öffentlich mit Terrorismus und den Anschlägen in Paris in Zusammenhang gebracht.

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