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Produktschutz : Belgische Schokolade aus Malaysia

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Diese Ostereier stammen tatsächlich aus Belgien. Das ist aber nicht immer der Fall. Bild: dapd

So genannte „Belgische Pralinen“ kommen allzu häufig nicht aus Belgien, sondern aus China, Kanada, Ungarn, Irland oder Malaysia. Denn das Land hat versäumt, den Begriff „Belgische Schokolade“ schützen zu lassen. Das soll sich künftig ändern.

          Champagner kommt aus der Champagne, Parma-Schinken aus Parma und belgische Pralinen aus Belgien. Weit gefehlt. Nicht überall, wo „Belgische Schokolade“ drauf steht, ist auch Schokolade aus Belgien drin. Nach dem Willen der Hersteller soll sich das aber ändern. Sie fordern für ihre Süßigkeit den gleichen Schutz wie ihn andere Produkte bereits genießen und wollen hart gegen Nachahmer vorgehen können. Selbst Naschwerke mit den Bezeichnungen „Belgisches Rezept“ oder „Belgische Art“ belasteten den Absatz und schädigten mit ihrer minderen Qualität den Ruf der belgischen Schokolatiers, kritisiert der Verband der belgischen Anbieter Choprabisco.

          Die Belgier sind stolz auf ihre Pralinen-Kunst. Jean Neuhaus gilt als Erfinder des mundgerechten mit Creme gefüllten Schokoladenkonfekts. 1912 soll er die erste Praline hergestellt haben. Heute gehört die Firma Neuhaus zu den größten Anbietern des Landes. Insgesamt verdienen mehr als 200 Unternehmen mit dem süßen Genussartikel ihr Geld, es gibt mehr als 2000 Läden in dem Euro-Land sowie zahlreiche Museen und Führungen für Touristen. Jährlich werden in Belgien fast vier Milliarden Euro mit Schokolade umgesetzt. Nach Meinung von Neuhaus-Chef Jos Linkens profitieren die Belgier von ihrer jahrelangen Erfahrung mit der Herstellung der Schokoladentafeln und Pralinen. Sie seien Meister der Creme-Füllung für diese Kunstwerke, die meist in mühevoller Handarbeit hergestellt werden, versichert Linkens.

          Die Schweizer schützen ihre Schokolade schon lange

          Belgische Schokolade hat Liebhaber auf der ganzen Welt. Neue Abnehmer in den Schwellenländern machen dabei den schwächeren Absatz in Europa und Nordamerika wett. Der Export zog zwischen 2007 und 2011 zwar nur um ein Prozent an, in Asien betrug das Plus allerdings 60 Prozent und in Afrika 82 Prozent. Ausgeschöpft sind diese Märkte laut Linkens aber bei weitem noch nicht: Bisher esse ein Chinese weniger als 100 Gramm Schokolade im Jahr, ein Europäer komme im Schnitt auf sechs bis zehn Kilogramm. Dieses Potential wollen die Belgier für sich nutzen und ärgern sich deswegen über Nachahmer. Guy Gallet, Generalsekretär von Choprabisco, hat auf der ganzen Welt massenhaft Boxen mit angeblich „Belgischer Schokolade“ gesammelt. Sie stammen aus Kanada, China, Ungarn, Irland und Malaysia.

          Obwohl die belgischen Schokoladenhersteller kräftig die Werbetrommel für den Schutz ihrer Produkte rühren, hinken sie anderen meilenweit hinterher. Die Schweizer Milchschokolade-Branche ist mehr als einen Schritt weiter und hat die Begriffe „Schweiz“ und „Schweizer“ in der Europäischen Union, in den Vereinigten Staaten und in Kanada schützen lassen. Ein Mitglied des Verbandes Chocosuisse ist nur damit beschäftigt, gegen Verstöße vorzugehen. Er verfügt über ein Budget von mehr als 80.000 Franken - allein für Anwaltskosten.

          Chinesische Nachahmer

          Entsprechende Schlagkraft fehlt den Belgiern vollkommen. Wohl auch deswegen hat der für seine Pralinen in Muschel- und Seepferdchen-Form bekannte Hersteller Guylian so große Probleme, gegen einen chinesischen Nachahmer seiner Produkte vorzugehen. „Wir wollen, dass man über Belgien bei Schokolade genauso denkt wie über die Champagner-Region bei Schaumwein“, sagt Guylians Exportmanager Steven Candries. Eine neue EU-Regelung dürfte den Belgiern dabei helfen. Demnach fällt nun auch Schokolade in die Rubrik schützenswerte Produkte. Lange war dies nicht der Fall, da die für die Schokoladenherstellung nötigen Kakaobohnen nicht aus Belgien kommen. „Jetzt gibt es wenigstens theoretisch eine Chance, das Schutzrecht durchzubringen“, sagt Gallet. Auch Neuhaus-Chef Linkens ist zuversichtlich. Bis Belgiens Schokoladenhersteller sich durchsetzen, dürfte aber noch etwas Zeit ins Land gehen.

          So oder so dürfte eine Debatte darüber entbrennen, was belgische Schokolade ist. Gallet will beispielsweise Produkte des Schweizer Konzerns Barry Callebaut vom Schutz ausschließen, obwohl ein Teil der Schokolade in Belgien hergestellt wurde. Bereits 2008 haben sich einige belgische Hersteller zusammengeschlossen und vereinbart, dass ihre Produkte mit dem Label „Belgische Schokolade“ ausschließlich in Belgien verfeinert und geformt werden dürfen. Linkens steht hinter dieser Kampagne: „Warum muss der Camembert aus der Normandie kommen, der Champagner aus der Champagne? Bei Lebensmitteln hat die Herkunft durchaus Bedeutung. Es geht um Ehrlichkeit.“

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