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Oppenheim-Prozess : Eine ganze Bank sitzt auf der Anklagebank

  • -Aktualisiert am

Es war einmal eine feine Adresse: Eingangstür der Privatbank Sal. Oppenheim in Köln. Bild: dpa

Es ist einer der vielschichtigsten Wirtschaftskrimis unserer Zeit: Die einstige Führungsriege der Privatbank Sal. Oppenheim steht ab Mittwoch vor dem Strafgericht. Zudem laufen etliche Zivilklagen von Prominenten.

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          An diesem Mittwoch wird in einem vielschichtigen und facettenreichen Wirtschaftskrimi ein neues Kapitel aufgeschlagen: Erstmals stehen die Exbankiers des Kölner Geldhauses Sal. Oppenheim - einst eine der feinsten Privatbankadressen Deutschlands - vor dem Strafgericht. Im Strudel der Insolvenz des Warenhauskonzerns Arcandor war die Bank 2009 in Schieflage geraten. Die vier ehedem persönlich haftenden Gesellschafter Matthias Graf von Krockow (einst deren Sprecher), Christopher Freiherr von Oppenheim (oberster Privatkundenbetreuer), Friedrich Carl Janssen (Finanzchef und Risikomanager) sowie Dieter Pfundt (Investmentbanking) müssen sich vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Köln dem Vorwurf der Untreue in drei besonders schweren Fällen stellen. Mit ihnen angeklagt ist ihr früherer Geschäftspartner, der Bauunternehmer und Vermögensberater Josef Esch.

          78 Verhandlungstage in Saal 210 des Landgerichts hat die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker anberaumt. In dem jetzt verhandelten Komplex geht es um den Vorwurf der pflichtwidrigen Schädigung von Bankvermögen. Aus den seit 2010 laufenden Ermittlungen hat sich die Staatsanwaltschaft drei Immobiliengeschäfte herausgepickt. Angeblich ist der alten Führungsclique in diesen konkreten Fällen eine Schuld für eine Vermischung privater Geschäfte mit denen der Bank am ehesten nachzuweisen. Zum einen wird den Herren vorgeworfen, eine aufwendig renovierte Privatvilla im Kölner Nobelviertel Marienburg, die der Bank gehörte, zu günstig an die Mutter Oppenheims, Jeane Freifrau von Oppenheim, vermietet zu haben. Umgekehrt soll das Finanzinstitut zu hohe Mieten für einen Bürokomplex in Köln gezahlt haben, der dem Oppenheim-Esch-Fonds gehört. Ähnlich gelagert ist der Fall einer Büroimmobilie an der Bockenheimer Landstraße in Frankfurt. Auch hier soll die Bank von ihrer damaligen Führungsriege durch einen überteuerten Immobiliendeal geschädigt worden sein, auch zu Lasten der übrigen Eigentümer.

          Friedrich Carl Janssen

          Schon seit 2009, dem Jahr der Arcandor-Insolvenz und des Beinahezusammenbruchs der am Ende zum Hauptaktionär des Kaufhauses avancierten Bank, stehen Sal. Oppenheim und die früheren Verantwortlichen im Visier der Ermittlungsbehörden. Wiederholt wurden seither Büros und Wohnsitze in großen Aktionen durchsucht. Berge von Akten wurden dabei sichergestellt und gesichtet.

          Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Köln eine weitere Anklage gegen ehemalige persönlich haftende Gesellschafter erhoben. Dabei geht es um einen Kredit in Höhe von rund 350 Millionen Euro für die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz zum Kauf von Karstadt-Quelle-Aktien. Das Geld soll über eine Tarnfirma namens ADG an die Großaktionärin des schon stark schlingernden Kaufhausimperiums geflossen sein. Denn bei der Bank selbst stand Schickedanz schon mit rund 650 Millionen Euro in der Kreide und bildete damit ein beträchtliches Klumpenrisiko. Hinter der Firma standen wieder die einschlägigen Namen, neben Krockow und Oppenheim auch Aufsichtsratschef und Krockow-Schwager Georg Baron von Ullmann sowie Esch. Damit nicht genug, die Strafverfolger nehmen weitere Vorwürfe unter die Lupe. Dies betrifft den Umgang mit dem Arcandor-Engagement, hochdotierte Beraterverträge für den damaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sowie Darlehen an Organmitglieder zu angeblich ungewöhnlich günstigen Konditionen.

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