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Nach dem Urteil : Staatsanwälte sehen im Fall Hoeneß keine Verschwörung

Uli Hoeneß wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Bild: AFP

Nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß sind noch viele Fragen offen: Hat er im Interesse des FC Bayern gehandelt? Und wie konnte der Prozess so schnell vorbei sein? Die Staatsanwaltschaft gibt nun Antworten.

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          Das Urteil gegen Uli Hoeneß ist rechtskräftig. Aber noch immer sind Fragen offen. Wie konnte der Präsident des FC Bayern München mit dreistelligen Millionenbeträgen an der Börse jonglieren? Hat Hoeneß gar im Interesse des deutschen Rekordmeisters gehandelt und Geschäfte in der Grauzone des Fußballs abgewickelt? Und welche Rolle spielte ein anonymer Informant, der sich gegenüber dem „Stern“ zu erkennen gab und behauptete, das Vermögen auf dem Schweizer Geheimkonto mit dem Passwort „Beaufort“ hätte zeitweise 600 Millionen Franken (400 Millionen Euro) betragen?

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Nicht auf alle Fragen hat die Staatsanwaltschaft München eine Antwort. Aber für Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich steht nach Abschluss des Verfahrens fest, dass es eine Querverbindung zum FC Bayern nicht gegeben habe. „Es war ausschließlich die persönliche Steuerhinterziehung von Herrn Hoeneß Gegenstand der Ermittlungen“, sagte Heidenreich gegenüber dieser Zeitung. Für die Staatsanwaltschaft ist auch die Herkunft des Geldes nachvollziehbar: 20 Millionen Mark kamen, so hatte es Hoeneß erklärt, 2001 vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfuß, weitere 10 Millionen Mark aus Hoeneß’ eigenem Vermögen. Und über die Hebelwirkung der Spekulationsgeschäfte dürfte Hoeneß später zu den beträchtlichen Summen gekommen sein.

          Zum „Stern“-Informanten äußerte sich Heidenreich nicht. Allerdings habe im Juli 2013 ein Rechtsanwalt gegenüber der Staatsanwaltschaft erklärt, dass ein Informant über den Fall Hoeneß Auskunft geben könne. Im Gegenzug verlange er, dass seine Identität ausschließlich den Strafverfolgungsbehörden bekannt bliebe, nicht aber in der Öffentlichkeit genannt werde. Die dazu nötige Sperrerklärung für den Informanten sei aber vom bayerischen Justizministerium nicht gewährt worden.

          Informationstag in der JVA Landsberg

          Dass der komplexe Fall Hoeneß vor Gericht nach nur vier Tagen abgeschlossen war, obwohl es im Prozess schließlich um 28,5 Millionen statt 3,5 Millionen Euro hinterzogene Steuern ging, ist für die Staatsanwaltschaft vertretbar. Zwar trafen erst zwei Wochen vor Prozessbeginn noch einmal 52000 Seiten zu Hoeneß’ Selbstanzeige ein, doch sei es der Steuerfahndung gelungen, alle relevanten Belege, insbesondere die Quartalssalden auszuwerten, sagte Heidenreich. Für Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung ist der Fall Hoeneß abgeschlossen.

          Der FC Bayern München richtet sich derweil auf eine Zeit ohne Hoeneß ein. Hoeneß-Weggefährte Franz Beckenbauer sieht den Verein nicht in einer Führungskrise. Herbert Hainer als künftiger Aufsichtsratsvorsitzender und Karl Hopfner als Präsident seien „logische Nachfolger, da sind wir bestens aufgestellt“, sagte Beckenbauer der „Bild“-Zeitung. Die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech, die nach Ostern den prominenten Insassen aufnehmen wird, hat am Freitag schon mal zu einer „Informationsveranstaltung für Medienvertreter“ eingeladen. Am 31. März will sie Unterkünfte, Arbeits- und Freizeitbereiche vorstellen – mit Gelegenheit zu Bild- und Filmaufnahmen.

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