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Möbelhersteller : Schieder-Gründer muss ins Gefängnis

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Der Gründer des Möbelherstellers Schieder auf einem Archivbild aus dem Jahr 2004: Rolf Demuth am Firmensitz in Schieder Bild: dpa

Vor vier Jahren meldete Europas größter Möbelproduzent Schieder Insolvenz an. Jetzt wurden einige Manager wegen Kreditsbetrugs verurteilt. Gründer Rolf Demuth soll dreieinhalb Jahre in Haft. Das Unternehmen hatte auch die „Billy“-Regale für Ikea produziert.

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          Vier Jahre nach der Pleite der Schieder-Gruppe muss deren Gründer Rolf Demuth wegen Kreditbetrugs ins Gefängnis. Das Landgericht Detmold verurteilte den 72 Jahre alten ehemaligen Chef des einst größten europäischen Möbelherstellers am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Haft. Sein 48 Jahre alter Finanzchef bekam eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Zwei weitere Mittäter erhielten Bewährungsstrafen. Die Manager hatten Bilanzen gefälscht und damit Kredite in dreistelliger Millionenhöhe erschlichen. 2007 musste der Konzern mit rund 11.000 Mitarbeitern Insolvenz anmelden.

          Mit falschen Zahlen, geschönten Bilanzen und überbewerteten Lagerbeständen soll das Unternehmen seine wahre Notlage verschleiert und frisches Geld beschafft haben: Erst für insgesamt 50 Millionen Euro Genussscheine, außerdem Kredite, insgesamt rund 328 Millionen Euro. Unter dem Strich soll der Schaden mindestens 234 Millionen Euro betragen. Wie viel es tatsächlich ist, weiß keiner so genau.

          Nach fast acht Monaten Verhandlung und der Vernehmung von 69 Zeugen ging der Mega-Prozess nun zu Ende. An 32 Verhandlungstagen sind 69 Zeugen und ein Sachverständiger gehört worden (siehe Prozessauftakt: Das Ende des Henry Ford der Möbelbranche). Die Schieder-Holding mit zwischenzeitlich mehr als einer Milliarde Euro Umsatz produzierte auch für das Möbelhaus Ikea deren „Billy“-Regale.

          Schieder: Das Stammwerk des damaligen Möbelherstellers im lippischen Schieder-Schwalenberg

          Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch höhere Strafen gefordert: Für Firmengründer Rolf Demuth verlangte sie eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Der frühere Finanzchef sollte demnach für viereinhalb Jahre in Haft. Die beiden weiteren Angeklagten sollten als Mittäter eine Haftstrafe von zwei Jahren beziehungsweise eine Bewährungsstrafe bekommen.

          Ursprünglicher Vorwurf des schweren Betrugs wurde fallengelassen

          Den ursprünglichen Anklagepunkt Betrug hatte Oberstaatsanwalt Rolf Günther im Laufe des Prozesses fallengelassen. Besonders schwerer Betrug wird mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Übrig blieb noch Kreditbetrug, Höchststrafe pro Fall: drei Jahre. In einer Zwischenbilanz hatte Richter Michael Reineke angedeutet, nach seiner Überzeugung hätten die Angeklagten die Geldgeber nicht schädigen wollen.

          Die Staatsanwaltschaft beugte sich dieser Einschätzung, obwohl sie „nicht unerhebliche Zweifel habe“, ob die Männer nicht zumindest eine Schädigung der Banken billigend in Kauf genommen hätten. Eine bessere Beweislage durch einen längeren Prozess sei aber nicht garantiert.

          Der Finanzchef habe die Konzernabschlüsse 2005 und 2006 manipuliert, sagte der Oberstaatsanwalt. Unter anderem sollen die Bilanzen von einigen der mehr als 100 Tochtergesellschaften der Holding geschönt worden sein, zum Beispiel Lagerbestände der polnischen Tochter MMI. Das Stichwort hieß dabei „Luftvorräte“.

          Die Verteidiger betonten übereinstimmend, dass keiner der vier Angeklagten die Geldgeber habe schädigen wollen. Es sei immer nur um die Rettung des Unternehmens gegangen. Für Demuth seien darum höchstens dreieinhalb Jahre Haft angemessen. Der Verteidiger des Finanzchefs stellte keinen konkreten Strafantrag.

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