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Mehrwertsteuer : Amerikas Klopapier-Skandälchen

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Sparsam, bitte! Bild: dpa

Sage noch einer, der Handel mit Toilettenpapier sei nur ein kleines Geschäft: Ein Ehepaar aus Amerika strengt einen Millionenprozess an.

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          Sage noch einer, der Handel mit Toilettenpapier sei nur ein kleines Geschäft. In Chile flog im vergangenen Jahr ein großes Toilettenpapier-Kartell auf, 14 Millionen Euro Strafe wurden fällig. Jetzt werden die Rollen wieder zum Thema – dieses Mal in den Vereinigten Staaten. Dort strengt ein Ehepaar eine Sammelklage gegen die Großhandelskette Costco an. Es geht um Millionen. Und ums Steuernsparen.

          Denn in den Vereinigten Staaten wird die Mehrwertsteuer erst an der Kasse auf die Preise aufgeschlagen, in jedem Bundesstaat eine andere. Der Bundesstaat New Jersey zum Beispiel verlangt sieben Prozent „Sales Tax“ auf alles – außer Klopapier.

          Doch Costco passierte ein kleines Malheur – zumindest wenn man dem Ehepaar glaubt, über dessen Prozess der amerikanische Sender CNBC nun berichtet. Denn die Kette schlug an der Kasse trotz der Steuerberfreiung die Mehrwertsteuer auf den Betrag auf, und zwar gleich zwei Mal innerhalb von fünf Tagen in zwei unterschiedlichen Filialen in New Jersey. Das Ehepaar habe sich beim Management beschwert, aber nicht etwa Geld zurückerhalten. Stattdessen hätten sie zu hören bekommen, sie sollten sich per Brief in der Zentrale beschweren. Jetzt tragen die Eheleute das Geschäft zum Gericht des Landkreises Bergen in New Jersey.

          Auch wenn pro Klopapier-Kauf nicht mal 1,50 Dollar an Steuern angefallen sind, nennt der Anwalt der beiden das Thema ein „riesiges Problem“, laut seiner Klageschrift seien mehr als 100.000 Leute betroffen – und er fragt, ob Costco das schmutzige Geld überhaupt an den Staat weitergebe. Abhängig davon, wie viele Kunden sich der Sammelklage anschließen und ob das Gericht Costco einen hohen Straf-Schadensersatz aufbrummt, könnten die Summen tatsächlich hoch werden. Eine Sprecherin des Händlers sagte dem Sender, sie habe keinen Kommentar zu diesem Prozess.

          Vielleicht wäre das Ehepaar billiger weggekommen, hätte es sich ein Beispiel am niederländischen Softwareentwicklungs-Unternehmen Decos genommen: Dort wurden die Büros 2014 komplett papierlos, das Toilettenpapier wurde durch Toiletten mit Wasserreinigung und Trockner ersetzt.

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