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Managergehälter : Prämien werden beschränkt

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Gregor Thüsing Bild: Archiv

Hohe Managergehälter stehen in der Kritik. Ein Gesetz soll jetzt für angemessene Vergütung in Vorstandsetagen sorgen - Gregor Thüsing von der Universität Bonn prüft, wie die Vorschriften wirken.

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          Das neue "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" ist eine sehr maßvolle Weiterentwicklung des bisherigen Rechts. Doch sie wird nicht ohne Folgen bleiben. Aus ganz unterschiedlicher Richtung setzt es an, um Marktdefizite zu beheben und die Vergütung an den nachhaltigen Unternehmenserfolg zu binden. Das fängt mit so einfachen und klar handhabbaren Regeln an, dass Aktienoptionen von Vorständen künftig mindestens vier Jahre gehalten werden müssen. Das Gesetz sagt es nicht ausdrücklich, aber man wird dies auch für die den Bezugsrechten nachgebildeten "phantom stocks" annehmen müssen.

          Vergleich auch zu den Angestellten im Unternehmen

          Neu ist auch das Gebot des Aufsichtsrats, sich bei der Festsetzung der Vergütung nicht nur an der Üblichkeit der Höhe im Hinblick auf andere Vorstandsmitglieder zu orientieren, sondern sie auch zu vergleichen mit der Vergütung der Arbeitnehmer der jeweiligen Gesellschaft. Stellt sich heraus, dass das Gehalt des Vorstandsmitglieds zwar nicht unüblich hoch im Vergleich zu dem, was seine Kollegen in anderen Unternehmen verdienen, wohl aber zur Vergütungspraxis in dem eigenen, bedarf es einer detaillierteren Rechtfertigung. Diese kann sich etwa auf den vorangegangenen Verdienst des Vorstandsmitglieds beziehen.

          Folgenreich könnte auch die Verpflichtung des Aufsichtsrats sein, eine Begrenzung der variablen Vergütung für den Fall einer "außerordentlichen Entwicklung" zu vereinbaren (Cap). Dies geht Hand im Hand mit der Orientierung an der nachhaltigen Unternehmensentwicklung: Kurssprünge in Folge von Spekulationen etwa, die meist nur kurzfristiger Dauer sind, vermögen bei einer langfristigen Betrachtung die Vergütung des Vorstandsmitglieds nicht mehr zu beeinflussen. Der Vorstand soll aber auch keine kurzfristigen, möglicherweise durch Substanzverzehr erzielten Erfolge um den Preis eines späteren, umso stärkeren Einbruchs forcieren.

          Mehr Transparenz

          Das Gesetz sagt dabei klar, wie Anreize langfristiger Entwicklung regelmäßig zu setzen sind: Variable Vergütung soll eine mehrjährige Bemessungsgrundlage haben. Die Konkretisierung bleibt offen, immerhin lassen sich einige Grenzsteine setzen: "Mehrjährig" verlangt eine Betrachtung zumindest über zwei Jahre. In der Praxis wird man die Fünf-Jahres-Frist für Vorstandsverträge als Richtschnur nützen können. Antritts- und Halteprämien sind weiterhin zulässig, müssen aber das angemessene Verhältnis zu anderen Vergütungsbestandteilen wahren.

          Wirkungsmächtig könnten auch prozedurale Vorgaben werden. Der Aufsichtsrat kann die Entscheidung über Vorstandsverträge nicht mehr zur abschließenden Behandlung an einen Ausschuss delegieren. Die Hauptversammlung einer börsennotierten Aktiengesellschaft hat das Recht, über Vergütungen der Vorstandsmitglieder beraten und (rechtlich nicht bindende) Beschlüsse fassen zu können. Das alles dient der Transparenz.

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