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Beispiel Australien : Wie Firmen sich um Steuern drücken

Hoher Umsatz, geringe Steuern: Die Ikea-Möbelhäuser in Sydney und seine Verflechtungen mit Luxemburg stehen in Australien im Visier der Finanzpolitik Bild: Getty Images

Konzerne setzen Milliarden um und bezahlen quasi keine Steuern. Auch Australien staunt, wo seine Steuergelder hin verschwinden. Luxemburg spielt dabei keine unschuldige Rolle – das soll sich aber jetzt ändern.

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          Die Steuersparmodelle, die Luxemburg Unternehmen bietet, sind weltumspannend. Eine Woche bevor die Staats- und Regierungschefs der zwanzig wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) in Brisbane über die globale Steuervermeidung verhandeln, geht Australien in die Offensive. Chris Jordan, der oberste Steuerbeamte des Landes, fordert eine weltweite Untersuchung der Luxemburger Modelle. Er kündigte an, die 28.000 im Internet veröffentlichten Seiten, auf denen insgesamt 343 Unternehmen bezichtigt werden, Steuerschlupflöcher meist mit Hilfe von Beratern der Gesellschaft PWC genutzt zu haben, sehr genau zu prüfen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Bericht weist darauf hin, dass keineswegs nur „moderne“, dem Internet nahe Unternehmen wie Apple oder Google ausgeklügelte Steuersparmodelle nutzen – sondern auch traditionell anmutende Einzelhandelsketten wie etwa der australische Arm von Ikea.

          Auch werden in den Dokumenten international arbeitende Konzerne wie die Bank Macquarie oder AMP genannt. Selbst der australische Staatsfonds Future Fund nutzte Luxemburger Banker, um Geld ins Steuerparadies der Cayman-Inseln zu verlagern. Fünfzehn Steuerschlupflöcher für multinationale Konzerne haben nun die australischen Fachleute um Jordan identifiziert, für knapp die Hälfte haben sie Vorschläge erarbeitet, wie man sie schließen kann.

          Missbrauch durch Briefkastenfirmen

          Beispielsweise wird daran gedacht, die attraktiven Sonderregeln für Einnahmen aus Patenten, Lizenzen und Markenrechten („Lizenzbox“) zu begrenzen, indem man künftig darauf achtet, ob dahinter Forschungsarbeiten und Entwicklungsaufwendungen in dem jeweiligen Land stehen. „So können wir den Missbrauch durch Briefkastenfirmen in Zukunft verhindern“, hatte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am vergangenen Donnerstag in seiner Regierungserklärung gesagt.

          „Offshore-Leaks“ : Das Ausmaß internationalen Steuerbetrugs

          Der Druck auf die Länder mit Steuersonderregeln ist in den vergangenen Wochen und Tagen spürbar gewachsen. Luxemburg, über dessen Steuergestaltung zuletzt viel berichtet wurde, reagierte am Wochenende. Man zeigt sich dort nun offenbar zu einer stärkeren Kooperation bereit. „Luxemburg darf kein Ort sein, der Firmen willkommen heißt, die keine Steuern zahlen wollen“, sagte Außenminister Jean Asselborn dem Magazin „Der Spiegel“. „Für solche Tricksereien stehen wir nicht mehr zur Verfügung.“

          Australisches Mysterium

          Ein Beispiel, das die Australier ärgert, ist das Steuersparmodell des schwedischen Möbelkonzerns Ikea. Am Beispiel Australiens erzählt: Es hat seinen Umsatz in den Jahren von 2002 bis 2013 „Down under“ deutlich auf insgesamt 4,8 Milliarden Australische Dollar (3,3 Milliarden Euro) gesteigert. Der ausgewiesene Vorsteuergewinn stagnierte aber über die Jahre indes und belief sich auf lediglich 103 Millionen Australische Dollar. Von ihnen überwies Ikea den Behörden in den zwölf Jahren insgesamt nur 31 Millionen Dollar – 0,65 Prozent des Umsatzes.

          Die Zeitung „The Australian Financial Review“ spricht von einem der „Mysterien des australischen Handels“: Wie konnten die Schweden ihren Umsatz um 500 Prozent steigern, während der ausgewiesene Gewinn praktisch gleich blieb? Der Schlüssel dafür liege in Luxemburg. Die Steuern lässt Ikea zwar von der Beratungsgesellschaft KPMG prüfen. Geht es aber um Steuervermeidung, wenden sich die Schweden an das Beratungshaus PWC – der Grund liege im engen Verhältnis der Berater zu Marius Kohl, der als Spitzenbürokrat in Luxemburg die Anträge der global handelnden Unternehmen abwickelte.

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