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Lkw-Fahrer beschimpft Kunden bei Anlieferung : Keine Kündigung trotz Beleidigung

  • -Aktualisiert am

In der Arbeitswelt herrschen manchmal rauhe Sitten. Nicht einmal grobe Beleidigungen rechtfertigen automatisch eine Kündigung, meinen Landesarbeitsgerichte.

          Wenn ein Arbeitnehmer einen Kunden seines Arbeitgebers als "Arschloch" tituliert, kann er trotzdem nicht automatisch gekündigt werden. Wie das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein urteilte, müsse vielmehr zusätzlich geprüft werden, ob der Beschäftigte "überhaupt die Funktion und Stellung der Person erkannte". Auch kommt es nach Ansicht der Kieler Oberrichter darauf an, ob es sich um ein "erstmaliges Versagen" handelt. Das betroffene Speditionsunternehmen muss nun seinem vergeblich gekündigten Fahrer rund 10 000 Euro Lohn nachzahlen - falls nicht das Bundesarbeitsgericht seiner Beschwerde dagegen stattgibt, dass das Landesarbeitsgericht keine Revision zugelassen hat. Eine Entlassung sei weder fristlos noch fristgerecht zulässig gewesen, urteilten die Richter.

          Fünfmal „Arschloch“

          Der Kraftfahrer hatte eine Einzelhandelsfiliale mit Waren beliefert. Die Einfahrt zum Parkdeck dort war ziemlich eng; insbesondere die Deckenhöhe der Durchfahrt war sehr knapp bemessen. Ein Angestellter der Liegenschaftsverwaltung forderte ihn deshalb auf, nicht weiterzufahren. Darauf kam es zum Streit; der genaue Wortwechsel ließ sich vor Gericht ebenso wenig aufklären wie die Frage, ob der Brummifahrer, weil er trotzdem weiter herumrangierte, tatsächlich Deckenteile und mehrere Rohre beschädigte. Jedenfalls erhielt er für das Grundstück sechs Monate lang Hausverbot. Der Arbeitgeber hielt es zudem ebenso wie die Richter für erwiesen, dass der Fahrer zu dem Vertreter des Kunden gesagt hatte: "Ich liefere hier seit Jahren, und jetzt aus dem Weg, du Arsch." Auch danach habe er ihn noch mindestens fünfmal als "Arschloch" beleidigt.

          Das Unternehmen sprach deshalb eine Kündigung aus, zumal im Arbeitsvertrag stand, man lege besonderen Wert auf eine freundliche Kundenbedienung. Der Betriebsrat wandte sich vergeblich gegen die Entlassung, weil der Kollege auf dem Gelände bereits mit einem unfreundlichen Tonfall empfangen worden sei. Der Fahrer will den Mann zudem für einen bloßen "Wichtigtuer" gehalten haben, von dem nicht zu erkennen gewesen sei, dass er zu dem belieferten Einzelhändler in Beziehung stand.

          „Einmaliges Augenblicksversagen“

          Angesichts der "besonderen Umstände" befanden die Kieler Richter, zunächst wäre eine Abmahnung erforderlich gewesen. Als "große Spedition" könne sie den Mann schließlich auch anderweitig als Fahrer einsetzen (Az.: 4 Sa 474/09). Dass es in gewissen Kreisen generell deftig zugeht, mag dabei ebenfalls eine Rolle gespielt haben. So wird in dem Urteil wörtlich aus einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf zitiert, das vor zwei Jahren Äußerungen eines Arbeitnehmers gegen seinen Gruppenleiter als "erst- und einmaliges Augenblicksversagen" entschuldigt hatte (Az.: 12 Sa 1190/08). Demnach hatte jener Mann zu seinem Chef gesagt: "Beweg doch selber deinen Arsch, du bist auch ein faules Schwein."

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