https://www.faz.net/-gqe-10y2f

Lehman-Zertifikate : Die Kläger haben den ersten Prozess verloren

Anlegerprotest in Düsseldorf Bild: dpa

Mit Zertifikaten der amerikanischen Pleitebank haben Sparer viel Geld verloren. Etliche Kleinanleger fühlen sich von ihren Hausbanken falsch beraten. Nun gibt es ein erstes Urteil. Das Landgericht Frankfurt hat die Klage eines Rentners gegen die Frankfurter Sparkasse abgewiesen.

          2 Min.

          Das erste Lehman-Urteil ist gefällt: Das Landgericht Frankfurt wies die Klage eines Betroffenen zurück. „Eine fehlerhafte Beratung“ seitens der beklagten Frankfurter Sparkasse sei „nicht ersichtlich“, begründete der Vorsitzende Ulrich Gebhard seine Entscheidung (Az.: 2-19 O 62/08). Die Kläger, ein Ehepaar aus Bad Soden, haben 12.000 Euro in Lehman-Zertifikate investiert und vermutlich verloren. Nach der Insolvenz der emittierenden Bank Lehman Brothers wollten sie nun Schadensersatz von der Frankfurter Sparkasse.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          Doch das Bonitätsrisiko der Investmentbank Lehman Brothers war zum Kaufzeitpunkt Ende 2006 „eher theoretischer Natur“, sagte Gebhard, was die zahlreichen Zuschauer im Saal 123 des Gerichts geräuschvoll zur Kenntnis nahmen. Der Kunde sei wahrheitsgemäß aufgeklärt worden und habe außerdem die Möglichkeit gehabt, dem Berater Fragen zu stellen. Der sollte zudem einen Ausfall des Papiers als „völlig ausgeschlossen“ hingestellt haben. Doch laut Gericht wäre das nur als „persönliche Einschätzung des Beraters“ zu sehen gewesen. Letztlich war dieser Punkt aber nicht bewiesen worden.

          Sparkasse gab „dünnen Hinweis“, der aber ausreichte

          Von besonderer Bedeutung war hingegen das Informationsblatt der Sparkasse. Dessen „Gesamteindruck“ hatten die Kläger für entscheidend gehalten. Anderenfalls, so meinte Klägeranwalt Peter Kühn im Vorfeld, sei der Anleger „schutzlos“. In einem kurzen Textabschnitt räumte die Bank allerdings ein, dass die Rückzahlung von der Bonität des Emittenten abhängt - laut Urteil ein „recht dünner Hinweis“, der aber ausreiche. Gebhard hielt es sogar für fraglich, ob es überhaupt einer solchen Warnung bedurft hätte.

          Auch der Hinweis auf die Vertriebsgebühr der Sparkasse in der Broschüre genügte dem Richter. Eine Bank muss grundsätzlich darauf hinweisen, wenn sie für die Vermittlung von Zertifikaten Provisionen kassiert („Kick Back“-Provisionen). Doch falls Zweifel an der Neutralität der Bank aufgekommen seien, habe auch hier eine Fragemöglichkeit bestanden, hieß es nun.

          Frankfurter Sparkasse denkt über Ausgleich „in Härtefällen“ nach

          Viele Anleger hatten sich eine Präzedenzentscheidung erhofft. Mit der Klageabweisung ist nun allerdings keine wirkliche Leitentscheidung getroffen. Offen bleibt vorerst, welche Rolle die Erfahrung der Anleger spielte. Die hatten bereits vorher unter anderem in die „Volksaktien“ der Deutschen Telekom investiert, wie Klägeranwalt Peter Kühn klarstellt. Viele Anleger argumentieren überdies, dass sie von einer durch den Einlagensicherungsfonds geschützten Anlage in die insoweit unsicheren Zertifikate gelockt worden seien. Nach Ansicht mancher Advokaten müsste eine Bank in diesem Fall die Käufer darauf besonders hinweisen. Denn Zertifikate sind Schuldverschreibungen der sie begebenden Bank und die Anleger im Insolvenzfall des Instituts nicht geschützt.

          Eine Rechtsmittelentscheidung des Oberlandesgerichts ist zu erwarten. Andere Geschädigte werden sich durch das Urteil nicht von Klagen abhalten lassen, war unter den Zuschauern zu hören. „Meiner Mutter haben sie die Dinger für 80.000 Euro verkauft“, hatte sich einer vor der Verkündung erregt, „die ist 70!“ Unterdessen hat die Frankfurter Sparkasse vermeldet, dass sie „in Härtefällen“ über einen finanziellen Ausgleich nachdenke - allerdings ohne sich rechtlich binden zu wollen. Die Bank hat nach eigenen Angaben an rund 5000 ihrer 800.000 Kunden Lehman-Zertifikate verkauft. Die meisten Anleger hätten zwischen 10.000 und 15.000 Euro verloren.

          Weitere Themen

          Das verborgene Universum

          Kostbarer Boden : Das verborgene Universum

          Boden ist wertvoll, nicht nur als Bauland. Unter unseren Füßen tut sich eine ganz eigene Welt auf, die das Leben über der Erde erst möglich macht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.