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Kniffelige Rechtslage : Vom Unglück, einen Schatz zu finden

Bild: Bernd Helfert

Wer einen verborgenen Schatz findet, wähnt sich im Glück. Doch die Freude währt oft nur kurz. Denn je nach Bundesland erhebt der Staat Anspruch auf das Fundstück. Und aus dem erhofften Finderlohn kann schnell ein Gang vor den Richter werden.

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          Das kann jedem mal passieren: Bei der Gartenarbeit, dem Pflügen eines Ackers oder auf der Wanderung blitzt etwas am Boden. Das Objekt erweist sich bei näherer Betrachtung als Gegenstand von möglichem Wert. Es muss ja nicht immer eine Kiste voller Gold sein, auch ein altes Geldstück kann den Finder vielleicht glücklich machen, wenn er es behält. Vielleicht aber auch nicht, weil er dann schon mit einem Fuß vor dem Richter steht.

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          „In den meisten Fällen geht es um Münzen“, sagt Diethardt von Preuschen. Der ehemalige Staatssekretär und Rechtsanwalt vertritt die Interessen der Sammler vor Gericht, wenn unklar ist, wem das gute Stück am Ende gehören soll. Das ist nicht selten der Fall, denn je nach Bundesland sind die Eigentumsverhältnisse unterschiedlich. Die meisten Landesgesetzgeber machen von ihrem Recht Gebrauch, die an sich klare Regelung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) außer Kraft zu setzen, mit der Begründung, Kulturgüter müssten geschützt werden.

          Die Hadrianische Teilung

          Das auf Schatzfunde grundsätzlich anzuwendende BGB greift auf eine Regelung aus dem Römischen Reich zurück, die als Hadrianische Teilung bekannt ist, weil sie von Kaiser Hadrian im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung eingeführt worden ist. Im Paragraph 984 BGB heißt es dazu, wenn eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, also ein Schatz, in Besitz genommen wird, „so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem Eigentümer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war“. In der Praxis muss sich der Finder den Schatz mit dem Eigentümer des Grundstücks teilen. Das sei unproblematisch, sagt Preuschen, der Wert wird von Gutachtern ermittelt, oder der Schatz wird verkauft und das Geld geteilt.

          Allerdings gibt es nur noch drei Bundesländer, in denen die Hadrianische Teilung uneingeschränkt gilt: Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Alle anderen haben in ihren Denkmalschutzgesetzen ein sogenanntes Schatzregal eingeführt, mit dem sie sich die Funde aneignen können. Im Kaiserreich hat es das schon einmal gegeben. Es wurde aber um 1900 mit der Einführung des BGB abgeschafft. Ein Schatzregal hat durchaus weitreichende Folgen, erklärt Preuschen. „Vergisst“ jemand, seinen Fund von vielleicht kulturhistorischem Wert den zuständigen Behörden zu melden, begeht er nur eine Ordnungswidrigkeit. Gibt es ein Schatzregal, macht er sich der Unterschlagung schuldig – sogar dann, wenn er selbst der Grundstückseigentümer ist. Der Straftatbestand wird mit bis zu drei Jahren geahndet. Käufern der Münze droht eine Anzeige wegen Hehlerei. Höchst unterschiedlich ist freilich der Besitzanspruch der Länder: In Berlin und Sachsen hat der Staat ein totales Schatzregal eingeführt – jeder rostige Nagel, der gefunden wird, gehört dem Land, aber auch jeder Goldzahn auf dem Friedhof. In Niedersachsen dagegen gibt es ein kleines Schatzregal, wonach nur Funde, die durch staatliche Nachforschungen entdeckt wurden, Eigentum des Landes werden; sonst gilt die Regelung des BGB.

          „Angemessener Finderlohn“?

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