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Analyse des Finanzministeriums : Keine kalte Progression

Kalte Progression? Gibt es nicht. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse, die im Haus des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble erstellt wurde. Bild: dpa

Die kalte Progression ist in aller Munde. Viele fordern ihre Abschaffung. Eine neue Analyse des Finanzministerium kommt zu einem einfach Schluss: Es gibt sie gar nicht.

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          Das Thema wird zwar heiß diskutiert, doch in diesem Jahr werden die Arbeitnehmer wohl nicht von schleichenden Steuererhöhungen durch die kalte Progression getroffen sein. Zu diesem Fazit kommt das Bundesfinanzministerium in seinem ersten Steuerprogressionsbericht: „Im Jahr 2014 führt die niedrigere Preissteigerungsrate in Verbindung mit der Anhebung des Grundfreibetrages zu Jahresbeginn dazu, dass voraussichtlich keine kalte Progression entstehen wird.“

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Dem Bericht zufolge erwarten die Experten von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dass die Bundesbürger 2015 und 2016 mit 17 und 20 Euro bei einem Prozent Inflation beziehungsweise mit 73 und 78 Euro bei zwei Prozent Inflation belastet werden. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, wird dieser Effekt jedoch durch eine andere Entwicklung kompensiert, wie der neue Existenzminimumbericht der Bundesregierung zeigt. Der Bericht soll spätestens Anfang 2015 vom Kabinett beschlossen werden.

          Existenzminimum darf nicht besteuert werden

          Demnach muss die Regierung den steuerlichen Grundfreibetrag von Alleinstehenden 2015 um 118 und 2016 um weitere 180 auf dann 8652 Euro anheben, um sicherzustellen, dass das Existenzminimum nicht besteuert wird. Damit verschwindet auch die errechnete kalte Progression. Prozentual gesehen noch größer ist der Korrekturbedarf demnach beim Kinderfreibetrag. Er muss dem Bericht zufolge 2015 um 144 und 2016 um weitere 96 Euro auf 4608 Euro steigen.

          Auch 2015 dürfte die Mehrbelastung akzeptabel bleiben: Das Ministerium rechnet in einem mittleren Szenario bei einer Inflation von 1,5 Prozent mit insgesamt 1,8 Milliarden Euro oder 45 Euro je Steuerzahler. 2016 werden bei derselben Teuerung 1,95 Milliarden Euro Mehrbelastung erwartet.

          Unter kalter Progression versteht man den Effekt, dass die Steuerlast mit jeder Gehaltserhöhung steigt, selbst wenn sie die Inflation auffrisst. Ihren Abbau hat sich die CDU gerade per Parteitagsbeschluss vorgenommen. Als Voraussetzung gelten aber ein ausgeglichener Haushalt und der Verzicht auf Steuererhöhungen.

          So viel macht die kalte Progression aus
          Single, 30 Jahre,
          kein Kind
          Verheiratet, 52 Jahre,
          ein Kind
          Verheiratet, 43 Jahre,
          ein Kind
          Jahresbrutto-Einkommen 30.000,00 70.000,00 120.000,00
          Lohnsteuer 2014 3.951,00 11.408,00 30.076,00
          Solidaritätszuschlag 217,30 508,20 1.492,59
          Lohnsteuer nach 1% Gehaltserhöhung 4.026,00 11.618,00 30.580,00
          Soli nach 1% Gehaltserhöhung 221,43 519,20 1.520,09
          Lohnsteuer ohne kalte Progression 3.990,51 11.522,08 30.376,76
          Soli ohne kalte Progression 219,47 513,28 1.507,52
          Ersparnis 37,45 101,84 215,81
          Quelle: F.A.Z. / BMF

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