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Im Gespräch: Klaus Zumwinkel : „Ich weiß, was ich beruflich geleistet habe“

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Gefasster Steuersünder: Klaus Zumwinkel nach der Urteilsverkündung am Montag Bild: AP

Der ehemalige Postchef Klaus Zumwinkel ist für die Hinterziehung von einer knappen Million Euro Steuern zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Im Interview mit der F.A.Z. spricht Zumwinkel über seine Steuerverfehlung und die Angemessenheit des Urteils.

          Der ehemalige Postchef Klaus Zumwinkel ist für die Hinterziehung von einer knappen Million Euro Steuern zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Im Interview mit der F.A.Z. spricht Klaus Zumwinkel über seine Steuerverfehlung und die Angemessenheit des Urteils.

          War das Urteil angemessen?

          Darüber haben die Richter entschieden, und ich habe das Urteil akzeptiert. Es werden oft private und berufliche Dinge vermischt. Ich weiß, was ich beruflich geleistet habe. Meine Steuerverfehlung war privater Natur.

          „Ich habe das Urteil akzeptiert”

          Hat man an Ihnen ein Exempel statuiert?

          So sehen das viele. Als Prominenter wird man anders behandelt als Menschen, die nicht so im Licht der Öffentlichkeit stehen. Damit muss ich leben können. Es fällt aber natürlich auch auf, dass ein anderer Angeklagter, der einen sehr viel größeren Steuerschaden verursacht hat, genauso bestraft worden ist wie ich.

          Wissen Sie, wer dafür gesorgt hat, dass bei der Durchsuchung mit den Ermittlern und der Staatsanwaltschaft auch Kamerateams und Magazinjournalisten vor Ihrer Haustür standen?

          Ich habe die Medien nicht informiert. Von der Durchsuchung wussten nur amtliche Stellen. Wer die Medien informiert hat, weiß ich nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch, wer die Verantwortung für einen solchen strafbaren Tipp an die Presse trägt. Darauf steht eine Gefängnisstrafe. An der Schnittstelle zwischen Politik und Unternehmen gibt es immer auch Widersacher. Fest steht, dass andere geräuschlos ihre Verfahren beenden konnten.

          Warum haben Sie in den Jahren 2004 und 2005 nicht von den Möglichkeiten der Steueramnestie Gebrauch gemacht?

          Wegen der Sorge, dass Privates mit dem Unternehmen Deutsche Post AG hätte verbunden werden können. Der 14. Februar hat gezeigt, dass auch eine Selbstanzeige nach außen gedrungen wäre und nicht in der Behörde geblieben wäre. So hat sich die Angelegenheit verselbständigt.

          Was machen Sie jetzt nach dem Urteil?

          Die Zeit heilt auch solche Wunden. Für mich beginnt jetzt ein dritter Lebensabschnitt. Ich werde mich eigenständig als Investor und Unternehmer betätigen.

          Wollen Sie Deutschland verlassen?

          Es ist ja bekannt, dass ich einen Altersruhesitz in Italien besitze. Aber es gibt für mich keinen Grund, die Brücken in Deutschland abzubrechen. Meine Familie, viele Bekannte, Freunde und Geschäftspartner auch in Deutschland stehen zu mir. Ob ich in Köln wohnen bleibe, habe ich noch nicht entschieden.

          Sind Sie falsch beraten worden?

          Darüber kann man im Nachhinein lange nachdenken. Am Ende trage ich die Verantwortung, und dazu stehe ich.

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