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Haribo gegen Lindt : Unverwechselbare Goldbären

Possierliche Tierchen und ein erbitterter Streit: Welcher Bär darf ein Goldbär sein? Bild: dpa

Wie hat ein echter Goldbär auszusehen: klein, gelb und aus Gelatine oder groß, golden und aus Schokolade? Darüber streiten Haribo und Lindt vor Gericht. Dabei zeichnet sich nun eine Wendung ab.

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          Der eine Bär ist goldverpackt, dick und aus Schokolade, der andere gelb, klein und aus Speisegelantie -  jedes Kind kann die beiden unterscheiden. Für die Süßwarenhersteller Haribo und Lindt und ihre hochbezahlten Juristen stellt sich dennoch die Frage der Verwechslungsgefahr des Haribo-Goldbären mit dem Lindt-Schokoladen-Teddy. Deshalb musste sich am Freitag das Oberlandesgericht Köln mit den beiden  possierlichen Tierchen beschäftigen.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Es geht um wesentlich mehr als um die reine Unterscheidbarkeit, so ist das immer, wenn Unternehmen das Markenrecht bemühen. Letztlich geht es um die Frage, ob der eine Süßwarenhersteller auf der Erfolgswelle des anderen Süßwarenherstellers quasi kostenlos mitschwimmen darf. Schließlich feilt Haribo schon seit Jahren mit einer umfangreichen Markenstrategie an seiner Goldbären-Legende. Und das ausgerechnet mit kleinen Gummibärchen, die zwar grün, gelb, rot und weiß sind, aber leider nicht wirklich golden. Diese Rolle übernimmt dann ein kleiner goldener Bär auf der Packung.

          Schon seit geraumer Zeit kommt nun aber jemand daher, der so tut, als wäre auch er ein Goldbär. Und im Gegensatz zu den grün-gelb-rot-weißen Gummibärchen sieht er auch tatsächlich so aus: groß, dick und mit goldener Folie ist der Lindt-Schokoladen-Teddy nicht anderes als ein wahr gewordener Goldbär. Nur, dass er eben nicht so heißen darf. Und eigentlich noch nicht einmal so aussehen darf, findet jedenfalls Haribo. Das Landgericht Köln sah dies übrigens ähnlich. „Der Verkehr“ – das sind wir, die Verbraucher – „stelle beim Anblick eines verkörperten Goldbären mit roter Schleife im Süßwarensegment unweigerlich eine Verbindung zu der Klägerin her“ – das wiederum ist Haribo.

          Eine logische Fortentwicklung des Goldhasen?

          Das findet Lindt nun gar nicht, ganz im Gegenteil: Der Teddy sei eine „logische und einheitliche Fortentwicklung der eigenen Produktlinie“, schließlich vertreibt man im Ostergeschäft schon seit langem ziemlich erfolgreich den „Goldhasen“. Der stand übrigens auch schon im Zentrum eines jahrelangen Rechtsstreits, allerdings mit einem anderen Konkurrenten.

          Das Oberlandesgericht scheint die Sache nun anders zu sehen als die Richterkollegen in der ersten Instanz.  Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa erklärten die Richter dort in einer vorläufigen Einschätzung am Freitag, dass sie in den Lindt-Schokoladen-Teddys keine Verletzung der Markenrechte sähen. Die Entscheidung soll am 11. April bekannt gegeben werden, allerdings wird auch die noch nicht endgültig sein. Die Süßwarenhersteller wollen den Prozess durch alle Instanzen treiben, um Rechtssicherheit zu erlangen. Sonst könnte ja jedes Kind entscheiden.

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