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Gewissensfreiheit : Ethik schützt vor Jagen nicht

Urteil: In Deutschland ist es erforderlich, auf „allen geeigneten Gebieten” zu jagen Bild: dpa

Wer Ländereien besitzt, kann Jägern nicht verbieten, darauf zu jagen. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden. Geklagt hatte ein Jagdgegner aus Stutensee bei Karlsruhe.

          Grundbesitzer dürfen nach Maßgabe des Bundesjagdgesetzes dazu gezwungen werden, das Jagen auf ihrem Land hinzunehmen. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden und damit die Beschwerde eines 1955 geborenen Manns aus Stutensee im Landkreis Karlsruhe, der die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt, gegen Deutschland abgewiesen. Die Straßburger Richter urteilten am Donnerstag, die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft verstoße nicht gegen den Schutz des Eigentums, das Diskriminierungsverbot, die Vereinigungsfreiheit oder die Gewissensfreiheit.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der Beschwerdeführer, Eigentümer zweier Ländereien in Rheinland-Pfalz, wehrt sich dagegen, vom Gesetz gezwungen zu werden, Mitglied der Jagdgenossenschaft der Gemeinde Langsur nahe Trier zu sein und als solches die Bejagung des Wilds in seinen Wäldern dulden zu müssen. Er versuchte es bei Jagdbehörde, Verwaltungsgerichten und Bundesverfassungsgericht – vergebens.

          Verletzung der Gewissensfreiheit gerechtfertigt

          Die Straßburger Richter urteilten nun, dass die Mitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft durch das öffentliche Interesse daran, den Wildbestand artenreich und gesund zu erhalten sowie Wildschäden vorzubeugen, gerechtfertigt sei. In Deutschland als einem der „am dichtesten besiedelten Gebiete“ Europas sei es erforderlich, auf „allen geeigneten Gebieten“ zu jagen. Deshalb sei auch eine mögliche Verletzung der Gewissensfreiheit gerechtfertigt. Die Richter wiesen auch auf eine Teilhabe des Eigentümers an der Pacht und auf mögliche Schadenersatzansprüche hin. Das Urteil wurde von einer kleinen Kammer gefällt; der Jagdgegner kann binnen drei Monaten Einspruch dagegen einlegen, dann kann der Gerichtshof den Fall an seine Große Kammer verweisen.

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