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Fußballvereine in Frankreich : Ein Spieltag ohne Spiele

Werden nicht auflaufen: Die französischen Fußballer am Spieltag 30. November / 1. Dezember Bild: AFP

Die französischen Fußballvereine machen mit ihrer Drohung ernst: Um gegen die französische Reichensteuer von 75 Prozent zu demonstrieren, soll der Spieltag am 30. November ausfallen.

          Der französische Spitzenfußball will Ende November in Streik treten. Grund ist die sogenannte Reichensteuer von Präsident François Hollande, die von den Unternehmen für alle Angestellten bezahlt werden muss, die mehr als 1 Million Euro im Jahr verdienen. Der Verband der Profi-Fußballklubs UCPF hat am Donnerstag in Paris auf einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden, am Wochenende des 30. November und 1. Dezember in der ersten und zweiten Profiliga keine Spiele auszutragen. In der vergangenen Woche hatte der Verband bereits die Drohung einer Arbeitsniederlegung ausgesprochen, nun will er den Druck auf die Regierung erhöhen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Präsident Hollande hatte den Fußball-Funktionären am Mittwoch versprochen, sie am Donnerstag der kommenden Woche zu einer Unterredung im Elysée-Palast zu empfangen. Damit wollte er Entgegenkommen signalisieren. Doch das reichte den Vertreter der höchsten französischen Fußball-Liga nicht. Sie bauen jetzt eine Drohkulisse auf, welche die Regierung zum Einlenken zwingen soll.

          Der Verband UCPF argumentiert, dass die vielen mittelgroßen und kleineren Klubs der ersten Liga durch die Steuer in finanzielle Bedrängnis geraten. Der reiche Spitzenklub Paris-Saint Germain, der Investoren aus dem Emirat Qatar gehört, sei nicht repräsentativ für die Lage des französischen Spitzenfußballs. „Für mehrere Klubs geht es ums Überleben“, sagte Bernard Caïazzo, Präsident des AS Saint-Etienne, in der vergangenen Woche.

          Wohl weniger als 1000 Personen von Steuer betroffen

          Die Reichensteuer von 75 Prozent bringt die französische Wirtschaft seit dem Amtsantritt von François Hollande in Wallung. Nach dem Einspruch des Verfassungsrates soll die Steuer, die wegen der Einrechnung von Sozialabgaben in Wirklichkeit einen Steuersatz von 50 Prozent enthält, im nächsten und übernächsten Jahr von den Unternehmen bezahlt werden. Die Regierung erwartet laut Haushaltsplan, der zurzeit im Parlament debattiert wird, Einnahmen von 260 Millionen Euro. Weniger als 1000 Personen sollen von der Steuer betroffen sein, heißt es. Doch die genaue Zahl kennt niemand. Einige Unternehmen, besonders im Finanzbereich, haben gut bezahlte Angestellte und Führungskräfte ins Ausland verlegt, etwa Wertpapierhändler nach London.

          Die Fußballklubs hatten lange Zeit geglaubt, dass sie der Steuer entgehen können. Doch sie täuschten sich. Nach Angaben des französischen Fußballverbandes LFP wird die Steuer 13 Erstligaklubs rund 44 Millionen Euro kosten. Fast die Hälfte fällt auf den Pariser Spitzenklub Paris-Saint-Germain, doch auch etliche kleinere Klubs wie Valenciennes, Bastia, Ajaccio oder Guingamp sind davon betroffen.

          Der französische Spitzenfußball ist insgesamt nicht so finanzstark wie die Vereine in Großbritannien oder in Deutschland. Die Stadien sind oft halbleer und gehören selten den Klubs. Im vergangenen Jahr überwiesen die Profiklubs an den französischen Staat nach eigenen Angaben mehr als 700 Millionen Euro an Sozialabgaben und Steuern. Die Einnahmen aus den TV-Rechten betrugen dagegen nur 650 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr entstand im französischen Profifußball insgesamt ein Verlust von 80 Millionen Euro, berichten die Funktionäre. „Die Steuer bedroht 25.000 Arbeitsplätze, die wir direkt und indirekt schaffen“, warnt UCPF-Verbandspräsident Jean-Pierre Louvel.

          AS Monaco genießt einen Sonderstatus

          Ausgerechnet der aktuelle Spitzenreiter der Ligue 1 könnte der Steuer indes entgehen: Der AS Monaco, hinter dem ein reicher russischer Investor steht, genießt einen Sonderstatus. Das letzte Wort ist in dieser Hinsicht jedoch noch nicht gesprochen, weil die anderen Vereine auf Gleichbehandlung drängen.

          Ob die Fußballvereine aufgrund von Zugeständnissen der Regierung von ihrem Streik im letzten Augenblick noch ablassen werden, ist derzeit schwer abzusehen. Auf jeden Fall ist der Unmut unter den Vereins-Managern sehr groß. Andererseits dürfte eine Arbeitsniederlegung der hochbezahlten Fußballer wenig populär sein. In unguter Erinnerung ist noch der Streik der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika geblieben. Damals verweigerte die Mannschaft das Training, nachdem ein Spieler wegen Undiszipliniertheit nach Hause geschickt worden war. Bis heute ist die Fußball-Nationalmannschaft in Frankreich deshalb äußerst unpopulär.

          Leitbilder wie der schwedische PSG-Star Zlatan Ibrahimovic, der netto rund 14 Millionen Euro im Jahr verdienen soll, eignen sich in der französischen Öffentlichkeit zudem schlecht, um Mitgefühl zu erwecken. Die Regierung verweist zudem darauf, dass eine Obergrenze eingeführt werde: Kein Unternehmen soll mehr als 5 Prozent seines Umsatzes durch die 75 Prozent-Steuer zahlen müssen.

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