https://www.faz.net/-gqe-8wfho
 

Filesharing-Kommentar : Der Ehrliche ist der Dumme

  • -Aktualisiert am

Neue Lernregel: Besser nicht über verbotene Internetaktivitäten reden. Bild: dpa

Die Musikindustrie hat einen bizarren juristischen Sieg eingefahren. Wer in einem Prozess die Wahrheit sagt, ist ab jetzt der Dumme. Das gilt für Eltern und Kinder.

          1 Min.

          Kann man sich als Musikindustrieller über so ein Urteil wohl freuen? Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Wenn die eigenen Kinder das Internet für Urheberrechtsverletzungen nutzen und das danach dummerweise auch noch zugeben, müssen die Eltern sie im Zivilprozess verraten – sonst haften sie selbst. Es ist ein bizarrer juristischer Sieg. Der Ehrliche ist der Dumme, das gilt ab jetzt für Eltern und Kinder.

          Teilt man das Karlsruher Urteil in einfachen Worten dem Nachwuchs mit, dürfte dieser wohl von ganz allein darauf kommen, dass man im Netz vielerlei krumme Dinger drehen kann, danach aber aus Rechtsgründen besser darüber schweigen sollte. Wenn das Kind doch einmal mit bebender Unterlippe die Tauschbörsennutzung eingeräumt hat, könnten die Eltern schlicht behaupten, sie wüssten von nichts. Lügen befreit, auch von Haftung, nur in einem Prozess ist es strafbar.

          Eigentlich aber geht es sowieso nur noch ums Prinzip: Längst gibt es attraktive legale Angebote für Musik, Tauschbörsen nutzt kaum jemand. Doch womöglich liegt das ja auch an den Urheberrechtsprozessen im industriellen Ausmaß, welche die Kreativkonzerne seit Jahren führen. Also wird weiter gegen Familien geklagt. Und die wissen nun, dass geistiges Eigentum manchmal schwerer wiegt als der Schutz der Familie.

          Weitere Themen

          Kröten schlucken für die Ampel

          Keine höhere Einkommensteuer : Kröten schlucken für die Ampel

          Selbst Jürgen Trittin akzeptiert, dass die Steuern für Topverdiener nicht steigen werden. Und Christian Lindner kommt mit einem höheren Mindestlohn klar. Für ihn zeichnet sich ein Konkurrent als möglicher nächster Finanzminister ab.

          Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich Video-Seite öffnen

          Anstieg von nur 2,4 Prozent : Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich

          Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr noch einmal deutlich abgesenkt. In ihrem Herbstgutachten gehen die Expertinnen und Experten nun von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent in diesem Jahr aus – nach prognostizierten 3,7 Prozent im Frühjahr.

          Topmeldungen

          Christian Lindner spricht und Robert Habeck wartet Anfang Oktober in Berlin.

          Keine höhere Einkommensteuer : Kröten schlucken für die Ampel

          Selbst Jürgen Trittin akzeptiert, dass die Steuern für Topverdiener nicht steigen werden. Und Christian Lindner kommt mit einem höheren Mindestlohn klar. Für ihn zeichnet sich ein Konkurrent als möglicher nächster Finanzminister ab.
          Woran festhalten, was erneuern? Hendrik Wüst blickt nach vorne.

          Kritik an Parteispitze : Die Abrechnung der Jungen Union

          Fehlende thematische Positionierung, Störfeuer aus Bayern und eine Kampagne, die zum Teil „nur noch zum Haare raufen“ gewesen sei: Der Parteinachwuchs ist beim Deutschlandtag gereizt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.