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Dübel-Dynastie Fischer : Steuerleid eines Mittelständlers

„Ich bin mir nicht sicher, ob die Politiker wissen, was sie anstellen” Bild: Claus Setzer

Klaus Fischer würde sich lieber seinem Geschäft mit Dübeln und Autoteilen widmen. Stattdessen schlägt sich der Unternehmer mit der Reform der Erbschaftsteuer herum. Die Hoffnung, dass sich bald viel ändert, hat er nicht.

          Von Waldachtal im Schwarzwald, wo die Dübel-Dynastie Fischer ihren Sitz hat, bis zur österreichischen Grenze am Bodensee sind es nicht einmal 200 Kilometer. Aber für Klaus Fischer sind das Welten. „Am 1. August wird in Österreich die Erbschaftsteuer abgeschafft. So sollten wir es auch machen“, sagt er. Tatsächlich fürchtet er, dass für Familienunternehmen in Deutschland durch die künftige Erbschaftsteuerregelung vieles teurer und vor allem komplizierter wird. Genau weiß man das noch nicht, obwohl das Bundesverfassungsgericht von der Politik eine Neuregelung bis Ende 2008 fordert.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Mit einer Gruppe von Unternehmerkollegen hat Fischer vor kurzem die Parlamentarier in Berlin besucht, um sie auf die Brisanz des Themas aufmerksam zu machen: „Da haben wir das Thema schon sehr deutlich angesprochen, denn uns Unternehmern brennt dies auf den Nägeln.“ Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Möglichst präzise Planungen von zehn bis 15 Jahren sind nach dem im Herbst 2007 vorgelegten Entwurf nötig, damit die Erbschaftsteuer nicht zum Bumerang wird.

          „Man muss als Unternehmer schnell reagieren“

          Theoretisch kann sich die Steuer etwa halbieren. So hätte ein Erbe eines Unternehmens mit 100 Millionen Euro Betriebsvermögen heute noch 9,6 Millionen Euro Erbschaftsteuer zu zahlen, nach der geplanten Regelung aber nur noch 4,4 Millionen Euro – allerdings nur, wenn das Unternehmen stetig wächst und gedeiht. Der Freibetrag von 85 Prozent auf den Verkehrswert ihres Betriebs, den die Unternehmenserben steuermindernd ansetzen können, ist nämlich ständig in Gefahr. Für zehn Jahre soll die Lohnsumme auf einem Niveau gehalten werden, das nicht unter 70 Prozent des Anfangswerts zurückgeht. Und für 15 Jahre sogar ist eine „Behaltensfrist“ vorgesehen. Das heißt, es dürfen in dieser Zeit keine Unternehmensteile verkauft werden.

          „Solche Zeiträume sind unüberschaubar“, weiß Klaus Fischer. Er führt die vom Vater gegründete Fischerwerke GmbH & Co. KG seit 1980. „Die Zukunft habe ich damals ganz anders gesehen“, erinnert er sich: Man habe erwartet, dass Afrika der Kontinent mit dem größten Wachstum sein würde. Er selbst habe geglaubt, dass die Baubranche wachse, weil so viel zu sanieren sei. „Und wer hätte geglaubt, dass Energie so teuer wird“, nimmt Fischer auf die aktuellen Entwicklungen Bezug: „Alles wird viel kurzlebiger. Man muss als Unternehmer schnell reagieren.“

          Wettbewerbsfähig bleiben

          Der Umsatz des Dübelspezialisten ist jetzt mit 545 Millionen Euro neunmal so hoch wie zu Klaus Fischers Amtsantritt 1980. Die Belegschaft ist auch gewachsen, aber nur von 1600 auf 3800 Mitarbeiter – weil die Produktivität eben noch schneller gestiegen ist. Diese Effizienzsteigerung ist nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zwangsläufig zieht aber jede Umsatzdelle schnell Personalabbau nach sich. Auch die Abspaltung von Firmenteilen sei nicht wirklich planbar, erklärt Fischer.

          Er nennt für die eigene Gruppe das Beispiel Spielzeug, das schon heute wohl eher aus nostalgischen Gründen im Sortiment ist: Baukastensysteme, wie man sie seit Jahrzehnten unter dem Namen Fischertechnik kennt, oder auch Stärkekügelchen zum kreativen Gestalten, die der heute 88 Jahre alte Erfinder Artur Fischer auf seine alten Tage noch auf den Markt gebracht hat.

          In Teufels Küche

          Dabei beschränkt sich die Sorge des Mittelständlers nicht nur auf das Randsortiment mit Spielwaren. Zur Fischer-Gruppe, deren Hauptgeschäft sich wie zu den Urzeiten des Nylon-Dübels immer noch um Befestigung dreht, gehört auch ein nennenswertes Geschäft mit Kunststoffteilen für die Autoindustrie (CD-Boxen, Tassenhalter und Ähnliches), wo der Wettbewerb so scharf ist, dass kaum jemand eine langfristige Prognose wagen kann und ein Verkauf nicht ausgeschlossen werden kann.

          „Ein Unternehmensteil könnte nicht verkauft werden – selbst wenn es sinnvoll wäre –, weil dann die komplette Erbschaftsteuer gezahlt werden müsste“, sagt er. „Da kommt man in Teufels Küche, wenn es dem Unternehmen schlecht geht. Denn man wird für das bestraft, was helfen soll, das restliche Unternehmen zu retten“, ärgert sich Fischer.

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