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Deutsche Traditionskanzleien : Viel Feind - viel Ehr'

Trotz Krise können deutsche Traditionskanzleien nur mit schwarzen Zahlen rechnen Bild: dpa

In der Vergangenheit mussten sich deutsche Anwaltssozietäten viel Spott von ihren internationalen Wettbewerbern gefallen lassen. Doch die Krise meistern sie gut - ganz im Gegenteil zu den ausländischen Kollegen.

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          Es ist noch nicht einmal zehn Jahre her, da sangen die internationalen Großkanzleien lautstark das Abschiedslied auf die deutsche Traditionskanzlei. Es war die Zeit des großen Umbruchs auf dem deutschen Anwaltsmarkt: Einige der starren Berufsregeln waren zuvor mit Pauken und Trompeten vor dem Bundesverfassungsgericht durchgefallen, danach durften die leicht angestaubten Vertreter der ehrwürdigen Rechtsanwaltskammern den Advokaten nicht mehr die Größe ihrer Namensschilder vorschreiben. Stattdessen strebten am Anfang des neuen Jahrtausends die großen, internationalen Anwaltskanzleien auf den deutschen Markt und gingen auf Einkaufstour: Die britischen Magic-Circle-Kanzleien bedienten sich kräftig an der Anwaltstheke, viele Traditionskanzleien bestanden fortan vor allem als angehängter Teil eines ansonsten englischen Namensungetüms: Linklaters Oppenhoff & Rädler, Clifford Chance Pünder oder Freshfields Bruckhaus Deringer hießen die deutsch-britischen Zusammenschlüsse.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Doch es gab einige deutsche Widerständler, die sich diesem Trend widersetzten. Sie pochten auf ihre Eigenständigkeit und ließen ihre Anwälte auch weiterhin an der langen Leine, statt ihnen aus einer britischen Zentrale Profitabilitätsziele vorzusetzen. Dieser Widerstand werde nicht lange andauern, hieß es hartnäckig aus London. Bald schon werde sich die profitorientierte, kosteneffiziente britische Kanzleiform durchsetzen.

          Die Briten leiden unter dem Druck der Krise

          Knapp eine Dekade und eine tiefgreifende Wirtschaftskrise später gibt es die deutschen Traditionskanzleien noch immer - und sie stehen besser da als zuvor. „Das Geschäftsmodell der deutschen Kanzleien erlebt eine Renaissance“, beobachtet Rainer Loges, Managing Partner der Wirtschaftskanzlei Gleiss Lutz. „Das hat nichts mit der Krise zu tun. Das ist ein längerfristiger Trend.“ Schon seit Jahren hält sich Hengeler Mueller im Ranking des Branchenmagazins Juve hartnäckig auf dem zweiten Platz der umsatzstärksten Sozietäten in Deutschland, noch immer gibt es kaum eine große Transaktion, bei denen die gut vernetzten Advokaten nicht mitmischen würden. Auch die Kanzlei Gleiss Lutz, fest im schwäbischen Stuttgart verankert, ist mit einem deutlichen Umsatzplus von 15,4 Prozent auf 130 Millionen Euro auf den siebten Platz geklettert. Nörr Stiefenhofer Lutz mit Hauptsitz München hat im vergangenen Jahr den Sprung in die Top Ten der umsatzstärksten Anwaltsfirmen geschafft und erzielte mit insgesamt 106 Millionen Euro 17 Prozent mehr Umsatz.

          Derweil leiden einige große britische Kanzleien deutlich mehr unter der Krise. Besonders hart getroffen hat es Clifford Chance. Sowohl der Gesamtumsatz als auch die wichtige Kennziffer des Umsatzes pro Berufsträger ist im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent eingebrochen. Bei den Platzhirschen Freshfields Bruckhaus Deringer (minus 2 Prozent auf 393 Millionen Euro) und Linklaters (minus 8,3 Prozent auf 176 Millionen Euro) legte der Umsatz ebenfalls einen Rückwärtsgang ein.

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